Auf dem Sentiero Miniere nel Blu
Meine dritte Exkursion in die Minenregion im Süden Sardiniens führte mich auf den Sentiero Miniere nel Blu, das ist ein Teilstück des Cammino Minerario di Santa Barbara. Dieser Wegabschnitt bietet Wanderern und Fotografen einige spektakuläre industriearchäologische Hinterlassenschaften und wunderschöne, abwechslungsreiche Blicke auf das – sehr blaue – Meer mit bizarren Klippen und malerischen Stränden. Ein Ziel dieser dritten Exkursion war, die wunderschönen tiefblauen bis türkisfarbenen Buchten und Strände fotografisch festzuhalten. Dazu habe ich eine Bootsfahrt unternommen. Die Kamera war während der Fahrt auf eine schnelle Verschlusszeit eingestellt – schneller als das Boot fuhr (s. Bild 19-21 in der Galerie unten). Beeindruckend sind auch die vielen Farben und Formen der Gesteine entlang des Weges (ein Beispiel zeigt Bild 18 in der Galerie unten). Die Region wird von Geologen als der erdgeschichtlich älteste Teil Italiens beschrieben. Die Geschichte der Minen ist auf Schautafeln entlang des Weges sehr informativ beschrieben.
Ein alter Fußpfad der Bergleute, der noch bis Mitte der 90er Jahre benutzt wurde, führte mich von dem kleinen Küstenort Nebida aus durch einen Tunnel (Galleria Lamarmora) und entlang alter Gleise hinab zu dem Gelände der Laveria Lamarmora. Die Gebäude sind vom Meer aus zugänglich, so konnten die in der Laveria=Wäscherei gereinigten Erze hier in der Bucht auf kleine Schiffe verladen werden. Diese steuerten mit ihrer Fracht den Hafen Carloforte auf der nahe gelegenen Isola San Pietro an. Dort wurden die Erze auf größere Schiffe umgeladen und nach Nordeuropa verschifft. Dies war ein aufwändiger, arbeits- und zeitintensiver Ablauf, für den 70 Jahre lang hunderte von Menschen arbeiteten. Um den Transportvorgang zu vereinfachen, wurde 1924 von einer belgischen Minengesellschaft im Nachbarort Masua der Tunnel von Porto Flavia gebaut.
Es handelt sich dabei um einen 650 m langen Transport-Stollen, dessen Ausgang gegenüber dem fotogenen Inselchen Pan di Zucchero über dem Wasser endet. Dort wurden die Erze in 9 großen Silos von je 1000 Tonnen Fassungsvermögen zwischengelagert. Am Landungssteg, der durch den Pan di Zucchero Windschutz hatte, konnten nun größere Schiffe anlegen und der aufwändige Umladevorgang in Carloforte entfiel.
Heute kann die Anlage mit einer Führung besichtigt werden. Das habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Es gab ein paar interessante Details zur Geschichte des Tunnels, in einigen Nischen waren Szenen aus dem Bergarbeiteralltag nachgestellt. Die Beleuchtung war recht spärlich, die beiden Fotos, Nr. 9 und Nr. 10 in der Galerie unten sind im Halbdunkeln mit ISO 8000 und Offenblende entstanden. Geht noch, finde ich, oder?
Als weiteres Ziel auf diesem Streckenabschnitt des Cammino Minerario hatte ich mir vorgenommen, ein verlassenes Bergarbeiterdorf auf den Klippen über dem Meer zu erkunden. Es zu finden war nicht ganz einfach. Heute stehen nur noch die Mauern der Häuser, überwachsen von Ginster, Wildblumen und kleinen Bäumen. Man kann sich kaum vorstellen, dass das Dorf noch bis in die 20er Jahre rund 2000 Einwohner hatte. Im letzten Abendlicht bin ich durch dieses Geisterdorf gewandert und auf den alten Mauerresten herumgeklettert ohne dort auch nur einem einzigen anderen Menschen zu begegnen.
Im oberen Teil von Nebida liegt die Chiesa di Santa Barbara. Es ist eine von vielen Kirchen die in der Minenregion der heiligen Barbara di Nicomedia gewidmet sind. Sie wird als Schutzheilige der Bergleute verehrt. Von den alten Malern (z.B. Dürer, Botticelli, …) wird sie häufig zusammen mit einem Turm dargestellt. Das Turmsymbol wurde darum bei der Ausarbeitung des Cammino als Wegmarkierungszeichen ausgewählt. Mehr zur Geschichte der heiligen Barbara findest du unter Wikipedia (danke Bernhard für den Hinweis!).
Hier eine Galerie mit Fotos von den Stationen der dritten Exkursionen in die Minenregion. Die Bilder vergrößern beim Hineinklicken. Meine Favoriten sind das Foto Nr. 15 und die Nr. 16 Und welches Foto gefällt dir am besten?
- Auf den Spuren des Cammino Minerario di Santa Barbara
- Ein Gastbeitrag von der Fotoreise nach Sardinien im Mai 2018
Hallo liebe Michaela,
sehr schöne, interessante Fotografien und Deine Beschreibung / Bericht sind wie immer hinreißend…!
Ich hoffe, irgendwann wieder mit Dir unterwegs sein zu können…! Zur Zeit, wie Du weißt, bin ich ich mit der Pflege meines Mannes unabkömmlich.
Ganz herzliche Grüße
Christa
Hallo Michaela, hallo liebe Fotofreunde,
Faszinierende Fotos, tolle Landschaften, sehr schöner und interessanter Bericht.
Liebe Grüße
Heinz Diehl
Liebe Michaela,
das Blau der „blauen Grotte“ ist fast unwirklich, ich finde die Kombination von Fels- und Meerfarben sehr gelungen. Es lohnt sich in jedem Fall, das alles näher zu erkunden. Solltest Du schon von den sardischen Heiligen infiziert sein? Meine Favoriten sind Nr. 17 und 20.
Liebe Grüße aus dem sommerwarmen Unterfranken
Jutta
Hallo Jutta,
Heilige gibt es hier viele :-). Und jeder oder Jede hat eine eigene Geschichte, manchmal auch in mehreren Versionen. Diese Geschichten zu recherchieren finde ich in der Tat spannend.
LG
Michaela
Da habe ich ja wirklich etwas verpasst. Aber der besagte Termin hatte Vorrang.
Ich glaube, da hast Du wieder ein highlight-typisches Unternehmen im Angebot; herrliche Fotos machen Appetit auf die Excursion. Mein Favorit ist die „Blaue Grotte“, aber wirklich nur mit minimalem Vorsprung ;-))
Hallo Bernhard,
Die Blaue Grotte war in Wirklichkeit noch beeindruckender, als auf dem Foto, die Bootstour war wirklich toll. Man konnte sogar in der Grotte aus dem Boot ins Wasser springen und eine Runde schwimmen. Diese Exkursion will ich auf jeden Fall auch in das Kursprogramm mit hineinnehmen.
Einfach toll. Aus deinen Erzählungen hatte ich es mir noch nicht so schön vorgestellt, aber ich bin echt hin und weg. Klasse.