Zu Gast bei der Weinlese in Griechenland
In den ersten Oktobertagen durfte ich einer Familie in einem kleinen griechischen Bergdorf bei der Weinernte und beim Keltern helfen. Nun ja, eine große Hilfe war ich am Ende wohl nicht. Doch ich wollte schon seit langem wissen, wie das mit dem Weinmachen funktioniert und war deshalb absolut glücklich, dort zu Gast zu sein und sogar fotografieren zu dürfen.
Der Ort Milia liegt abgelegen in den Bergen, weit oberhalb der Strecke, die von Antirio kommend am Meer entlang nach Delphi führt. Schon die kurvenreiche Straße dort hinauf war ein Erlebnis. In Milia angekommen dann ein grandioser Blick auf die Berge, die das Dorf umfassen. Die Giona ist laut Wikipedia mit 2510 Metern der höchste Berg auf dem griechischen Festland südlich des Olymps und der Region Mittelgriechenland, sowie der fünfthöchste Berg im gesamten Griechenland überhaupt.
Milia ist ein Dorf mit 20 Einwohnern, kein Mobilnetz, kein Internet, Ruhe pur. Zypressen am Ortseingang geben der Landschaft einen Hauch von Toskanaflair. Doch dieser Vergleich ist eigentlich unpassend, denn mit kleinen Schluchten, in deren Bachbett man wandern kann, Eichenwäldern, in denen es auch den Wildschweinen gefällt und immer wieder uralten Platanen-Baumgestalten am Wasser, ist es eine Gegend, die es nicht nötig hat, sich mit einer anderen Landschaft vergleichen zu lassen.
Trauben schneiden oder fotografieren? Ich versuchte, beides zu verbinden und war am Ende überrascht, wie schnell die Ernte von Hand beendet war. Den Saft dann aus den geernteten Trauben zu pressen, dauerte wesentlich länger. In einem ersten Schritt wurde alles in den Trichter einer kleinen Maschine geschüttet, die eine Art Traubenmus produzierte. Der dabei ablaufende Saft wurde aufgefangen. Im nächsten Schritt wurde das zurückgebliebene Mus nochmals ausgepresst, diesmal in Handarbeit, wobei gerade noch einmal so viel Rebensaft gewonnen wurde. Insgesamt sind es etwa 300 Liter geworden.
Der nun schon ziemlich trockene Pressrückstand ist auch noch zu etwas gut: aus ihm kann der Tsipouro, ein traditioneller griechischer Tresterbrand, der dem Grappa vergleichbar ist, destilliert werden.
Je wärmer es an diesem Tag wurde, desto mehr wurden auch zahlreiche Wespen und 20, 30 oder mehr Hornissen von dem süßen Geruch angelockt. Mich hat es fasziniert, dem Treiben der Hornissen mit dem Makro zu folgen. Zwei Arten waren vertreten, die Vespa crabo, die man auch in Deutschland antrifft und die Vespa orientalis, die sich in der gelben Hinterleibszeichnung von ihrer nördlichen Verwandten unterscheidet. Mit zunehmendem Rebensaftgenuss wurden beide Arten dann etwas torkelig, auch die Flugsicherheit ließ zu wünschen übrig. Betrunkene Hornissen vor der Linse zu haben, war eine interessante Erfahrung.
Es waren zwei wunderbare Tage dort in den Bergen, mein Dank gilt der Familie, die mit ihrer Gastfreundschaft dieses Erlebnis möglich gemacht hat (im Sinne der DSGVO an dieser Stelle ohne die Namen zu nennen 🙂 ). Hier eine Galerie mit Fotos von der Weinernte. Die Bilder vergrößern beim Hineinklicken. Meine Favoriten sind das Foto Nr. 3 und die Nr. 20. Und welches Bild gefällt dir am besten?
- Ein Gastbeitrag von der Fotoreise nach Sardinien im Mai 2018
- Fotoreise nach Georgien – wir treffen uns am Gate 4 in Istanbul!
Hallo Michaela,
wieder so schöne Bilder – da kann ich wenigstens auf diese Weise mich dorthin träumen – danke dafür.
Das Gesicht sehe ich auch – es ist schon erstaunlich, was es wohl „uns“ sagen möchte…!?
Diese uralten Baumgestalten faszinieren mich immer und immer wieder – ganz wunderbar.
LG
Christa
Hallo Michaela,
danke für den interessanten Bericht – schön dass wir auf diese Weise auch teilhaben können.
Das ist ja schon sehr viel Mühe was Deine Freunde da haben…
Mir gefallen die Hornissen sehr gut..das hätte ich gerne live gesehen.
LG
Carina
Hallo Michaela,
wieder sehr schöne Fotos. Es wird Dich nicht überraschen, dass mir die Nummer 21 am besten gefällt.
In der Nummer 4 erkenne ich ein Gesicht. Wer noch?
Hallo Helge,
das überrascht mich in der Tat gar nicht :-).
Und das Gesicht wollte ich auch zeigen, schön, dass du es sehen kannst. Diese Baumgestalten schauten uns an. Es war ein magisch schöner Ort.
LG
Michaela