Zagori im Oktober 2020 – unterwegs in den Bergen Nordgriechenlands
Zusätzlich zu den auf highlighttours.de veröffentlichten Fotoreisen versuche ich, pro Jahr noch mindestens eine etwas andere Fotoreise auf die Beine zu stellen. Eine mehr oder weniger privat organisierte Reise mit einer kleinen Gruppe von Fotofreunden, abseits der ausgetretenen Pfade, mit dem Fokus auf Naturerlebnis, Geschichte und Kultur des Reiselandes. Ende 2019, als wir bei dem Wort Corona noch zuerst an ein mexikanisches Bier dachten, ging ich im Kopf meine Reiseerlebnisse in der nordgriechischen Berglandschaft Zagori durch (mehr dazu in diesem Bericht). Checkte ein paar Randbedingungen ab und die verrückte Idee, mit einer kleinen Gruppe in dieser abgelegenen Gegend im Oktober 2020 auf Fototour zu gehen, nahm Gestalt an. Tatsächlich ließen sich ein paar Fotofreunde begeistern, die Sache wurde konkreter, Hotelzimmer waren reserviert und Vorfreude kam auf.

Mit Covid-19 kam dann der Dämpfer. Sollen wir an der Planung festhalten oder auf nächstes Jahr verschieben? Die Gruppe wurde kleiner, am Ende waren wir noch zu dritt – Steffen, Torsten und ich. Zagori liegt in der nordwestgriechischen Region Epiros. Daher war – alternativ zum Flug – auch eine Anreise mit dem Auto und Schiff via Ancona – Igoumentisa möglich. Da die Schiffstickets auch noch bis zwei Tage vor dem Termin buchbar war, konnten wir uns die Entscheidung bis knapp vor dem geplanten Start offen halten und immer wieder die aktuellen Reise- und Quarantänebestimmungen checken. Die Überfahrt war angenehm, die vorgeschriebenen Mindestabstände wurden an Bord gut eingehalten. Auch die Organisation in Griechenland mit Einreiseformular und QR-Code lief rund.
Ich war schon einige Zeit vorher mit dem kleinen roten Auto in Griechenland angekommen und traf Steffen und Torsten vor Ort. Einen ersten gemeinsamen Fotostopp legten wir – noch vor dem Einchecken im Hotel – an der Kapitän Arkoudi-Brücke ein. Das ist für diejenigen die vom Einreisehafen Igoumenitsa aus nach Zagori kommen eine der ersten zagoritypischen Rundbogenbrücken. Wir hatten Glück, der Fluss führte Wasser, so dass die alte Brücke sich fotogen mit ihrem Spiegelbild zu einem Kreisbogen ergänzte. Das bunte Herbstlaub steuerte noch ein paar Farbtupfer bei. Viel schöner kann sich ein Fotomotiv kaum präsentieren! Drei weitere Bogenbrücken und ein erster Blick in die Vikos-Schlucht stimmten uns auf die folgenden Fotoerlebnisse ein.
In unserem Hotel in dem kleinen Bergdorf Tsepelovo waren wir in den ersten Tagen die einzigen Gäste, was angesichts der weltweiten touristischen Entwicklung nicht verwunderlich, aber trotzdem traurig war. Die Schwarzweiß-Fotos an den Wänden des Hauses machten uns trotzdem sofort Lust auf weitere Touren.
Zagori ist mehr als nur ein Landschaftserlebnis. Es ist eine Region, die auf Wander- und Qualitätstourismus setzt. Ein großer Teil steht als Nationalpark Vikos-Aoos und Nationalpark Nordpindos unter Naturschutz. Schäden durch touristische Übernutzung (Tritterosion, Müll, Verkehrschaos) sind uns nicht ins Auge gesprungen, welche Wohltat! Stattdessen fanden wir viele gut markierte Wanderwege, an den Einstiegspunkten Tafeln mit Infos zu den Brücken, zu Flora, Fauna, Geologie und Geschichte der Region. Für die Vikos-Schlucht wird auf einer Tafel eine Tiefe von 900 Metern angegeben! Wie es sich anfühlt, von oben in eine so tiefe Schlucht hineinzuschauen konnten wir oberhalb des Dorfes Monodendri testen. Am spektakulären Aussichtspunkt Oxia ging es senkrecht hinab. Das Flussbett am Grund der Schlucht lag so tief unter uns, dass es nur als kleiner Pfad in der Landschaft in Erscheinung trat.
Gegenüber Oxia liegt der Aussichtspunkt Beloi, schwindelerregend tiefe Vikos-Schluchtblicke erwarteten uns nach einer dreiviertelstündigen Fußwanderung auch hier. Wie immer lohnte es sich, auf das letzte, tiefstehende Abendlicht zu warten. Felsskulpturen und Herbstlaub wurden zum Farbspektakel, das ich allerdings nur mit ein paar Schritten Abstand zur Tiefe richtig genießen konnte. Steffen und Torsten turnten derweil etwas mutiger am Abgrund herum 🙂
Steffen hat seine Eindrücke von der Woche in Zagori so zusammengefasst: „Ich sage nur ein Wort: Steine. Große, kleine, kunstvolle und beeindruckende und meistens zu groß zum Sammeln. Jenseits dieser hatten wir das perfekte Timing erwischt. Kurz nachdem die Herbstfärbung in der hügeligen Landschaft eingesetzt hat und täglich intensiver wurde, waren wir da und dank Corona auch fast alleine. Viele kennen von Griechenland die schroffe Schönheit der Inseln. In Anbetracht der vielfältigen Aus- und Anblicke im Nationalpark, lohnt es sich, statt Badehose die Wanderstiefel einzupacken und dorthin zu fahren. Das griechische Essen und die freundliche Lässigkeit der Leute runden jeden Besuch ab. Es lebt sich gut mit griechischem Salat und Joghurt mit Honig.“
Und Torsten sagt im Rückblick über die Reise: „Trotz aller Corona-Unwägbarkeiten haben wir es zu dritt doch noch in die einsamen Berge im äußersten Nordwesten Griechenlands geschafft und dort weit weg von all dem Trubel des restlichen Europas eine ruhige, erholsame Woche mit Kamera und Stativ in der Natur verbracht. Neben den imposanten Schluchten und Felsformationen, die im schönsten Abendlicht leuchteten oder im wabernden Morgennebel auftauchten, blieben fürs Makro auch die einen oder anderen Highlights aus Flora und Fauna am Wegesrand nicht ohne Beachtung. Und nachdem der Untergang des Tageslichts die Fotografen in den Feierabend entlassen hatte, hielten die Gaumenfreuden der lokalen Spezialitäten in den Tavernas und nicht zu vergessen das α-Bier (nicht nur für Sony-Fans) die Stimmung weit oben. Nach nunmehr 3 Monaten Home-Office denke ich immer wieder an diese letzte große griechische Freiheit zurück.“
Nach einer Woche reisten wir mit vielen Landschafts-, Licht- und Farbeindrücken im Kopf wieder ab. Wir hatten lange noch nicht alles erkundet. Zagori ist eine Region, in der es noch viele weitere Wanderpfade, Brücken und Dörfer zu entdecken gibt. Ich bin begeistert und denke darüber nach, nächstes Jahr mit einer Minigruppe wieder zu kommen. Was meinst du, würde diese Landschaft dich auch reizen?
Zum Abschluss hier noch eine kleine Galerie mit Fotos von Torsten, Steffen und mir.
Vielen Dank euch beiden für die Bild- und Textbeitrage, schön war’s mit euch!
Die Fotos vergrößern beim Hineinklicken. Meine Favoriten sind die Nebel-Wolken-Aufnahmen. Und welche gefallen dir am besten?
- Mein kreativer Schwarm
- Der alte Baum und das Licht
Es ist immer wieder spannend, in welche Gegenden Du vordringst und uns mitnimmst. Wir können somit an den Entdeckungen, Eindrücken und Stimmungen teilhaben, die uns sonst verschlossen blieben. Besonders schön finde ich es, dass Du Deine Exkursionen abseits des Mainstreams organisierst und das Wesen und die Geschichte der Landschaft und Menschen herausarbeitest. So auch im aktuellen Beitrag über Zagori, was soviel bedeutet wie „hinter dem Berg“ und aus dem Altslawischen stammt. Ich habe gelesen, dass Du hier eine sehr abgelegene geschichtsträchtige Gegend entdeckt hast. Zagori ist erstmals in einer Goldbulle von Kaiser Andronikos II. im Jahr 1321 belegt. Seine Abgelegenheit hat sich im Laufe der Geschichte als Vorteil herausgestellt. Dies gilt bis heute, da sich nicht viele Touristen hierher verirren. Die ersten Zeugnisse menschlicher Besiedlung stammen übrigens aus der Zeit zwischen 17.000 und 10.000 vor unserer Zeitrechnung. In der Klidi-Grotte in der Schlucht des Voidomatis hat man Werkzeuge aus dem Epipaläolithikum gefunden. Molosser, Römer, die Byzantinische Epoche und die Osmanische Zeit (bis 1912!) haben viele Spuren hinterlassen. Neben der reichhaltigen Geschichte mit ihren architektonischen Hinterlassenschaften (Klöster, Kapellen, Brücken, Dörfer etc.) bietet das Gebiet in seinem Nationalpark mit der tiefsten Schlucht der Welt (Guiness Buch der Rekorde) einzigartige Motive für Landschafts-, Architekturaufnahmen und Bilder aus dem täglichen Leben. Dies haben Eure Fotos eindrucksvoll belegt. Dein Beitrag ist ein schönes Beispiel für Reisefotografie, die bekanntlich einen Mix aus verschiedenen Fotogenres (Landschaftsfotografie, Wildlife-Fotografie, Straßenfotografie, Architekturfotografie sowie Abend – und Nachtfotografie) darstellt und versucht, die Beziehung zwischen Mensch und Umgebung in anderen Ländern und Kulturen kreativ abzubilden. Das dies Dir bei all Deinen Reisen und Workshops wichtig ist, kann man nicht übersehen. Eure Fotoschwerpunkte waren während dieser Reise sicherlich die Landschafts- und Architekturfotografie. Hier wiederum die dokumentierende und erzählende Fotografie. Es ist kein triviales Unterfangen, die optische Dreidimensionalität (Tiefe) der Schlucht, den Einfluss des Wetters (Sonne, Wind etc.) und die sonstigen Sinneseindrücke (Geruch der Blätter und Gesang der Vögel etc.) als Stimmung bzw. Geschichte im Foto festzuhalten und dem Betrachter zu vermitteln. All dies sind Gefühle, Eindrücke und Einflüsse, die dem Fotografen vor Ort vorbehalten bleiben und ihn letztendlich dazu bewogen haben, den Auslöser zu drücken. Es ist Euch gelungen, zumindest einen Teil dessen, was ihr erlebt und gefühlt habt, mit uns, den Betrachtern, zu teilen. Die schönen Aufnahmen der Brücken regen die Fantasie an. Wer mag sie gebaut haben und unter welchen Umständen? Welche Schicksale waren damit verbunden? Wer mag darüber gegangen bzw. geritten sein? Fragen, die uns zum Nachdenken anregen.
Es warten noch viele Motive auf ihre Entdeckung. Ein Ansporn für weitere Reisen in dieses Gebiet.
„Unsere Augen sehen alles, aber unser Gehirn verleiht jedem Objekt seine Bedeutung.“
David duChemin
Hallo Roland,
vielen Dank für deinen Kommentar. Aus deinem ausführlichen Text geht für mich hervor, dass du nach dem Lesen weitere Quellen zur Region Zagori konsultiert hast. Ein schöneres Kompliment kannst du uns kaum machen. Wenn Text und Fotos von Steffen, Torsten und mir dich dazu animiert haben, noch tiefer einzusteigen dann muss es uns wohl gelungen sein, ein bisschen Atmosphäre rüber zu bringen :-). Das freut mich sehr. Und du spornst mich damit dazu an, das Reiseblog auch in dieser Zeit, in der Reisen nicht mehr so selbstverständlich möglich sind, weiter zu führen.
Liebe Grüße
Michaela
Hallo Michaela,
da habt ihr ja wirklich herrliche Eindrücke eingefangen. Mir als „Baumensch“ gefallen eure Brückenfotos sehr gut; alle drei Sichtweisen und Motive machen richtig Werbung für die griechische Landschaft. Aber es fällt wirklich schwer, aus dem Album das Siegerpodest zu benennen. Steffens Nebelbild erinnerte mich sogar ein bisschen an meine Heimat, den Schwarzwald.
Auf jeden Fall hattest du mit der Reiseidee einen Volltreffer gelandet und regst zum Mitmachen an. ;-))
Herzliche Grüße
Bernhard
Hallo Michaela,
faszinierende Aufnahmen von begeisterten Fotografen – ein wahrer Leckerbissen für mich…!
Ich kann mich nicht für ein bestimmtes Foto entscheiden – ja, die Nebel-Wolken, das teilweise wunderbare Licht und die alten Brücken sind meine Favoriten.
Liebe Grüße
Christa
Hallo Ihr Reisenden,
Ihr habt eine wunderschöne Auswahl an Bilder mit nach Hause gebracht und wie ich schon
von Michaela mitbekommen habe, hattet Ihr wirklich eine tolle Woche.
Das Bild Nr. 031 von Torsten und auch das Bild 02-361 von Steffen sind so meine Favoriten.
Wobei die Auswahl echt schwer ist.
Viele Grüße
Carina