Wind und Wellen
Die Westküste Sardiniens rund um meinen aktuellen Aufenthaltsort wird gerne von Surfern aufgesucht, weil die verschiedenen Mittelmeer-Winde hier von Zeit zu Zeit für beeindruckende Wellen sorgen. Meistens ist das Meer ruhig und bilderbuchblau. Gut für Fotos, die jeden Reiseprospekt zieren könnten. Aber wenn ein starker Wind aufzieht, können die Wellen meterhoch werden. Die hier gebräuchlichen Namen der Winde beschreiben die Richtung, aus der sie kommen. In St. Caterina sind die Winde auch in den Straßennamen präsent. Meine Wohnung liegt im Vico Levante. Nebenan liegt die Via Scirocco, die Via Maestrale, ….
Der Levante weht aus Osten, der Scirocco ist der heiße Wind aus Afrika, den die Bauern fürchten, weil er im Frühling die Knospen verdorren lässt. Der Maestrale bringt kalte Luft aus dem Norden und sooft ich ihn erlebt habe, brachte er auch die höchsten Wellen mit.
In der letzten Woche wehte für 2 Tage ein warmer Wind, ein Libeccio sei es gewesen, wurde mir gesagt. Wegen mir kann dieser Wind wieder vorbei kommen. Er war zum Wellenfotografieren ideal: angenehme Temperaturen, nicht so auflandig, dass Sprühsalz aus der Luft auf der Linse landete, lange Wellen mit einem fotogenen Gischt-Schweif. Was will man mehr.
Ein Problem, dass beim Fotografieren von Wellen immer wieder auftaucht, ist der Datenoverflow. Es könnte ja die nächste Wellenfront noch tollere Formen bringen. Also nochmal draufgedrückt, Serienaufnahme und schnell sind wieder 100 Fotos auf der Speicherkarte. Das Sortieren der (zu)vielen Bilder ist dann keine Freude mehr. Warum habe ich nur so oft abgedrückt? Damit die Bilderflut am Ende nicht zur PC-Strafarbeit wird, gehe ich mit selbstgestellten gestalterischen Vorgaben an die Fotosessions ran: das Foto soll den Gischtschweif vor dunklem Hintergrund einfangen. Oder das Licht der goldenen Stunde soll die Wellen durchstrahlen, oder …. . Klar ist, dass man/frau trotzdem nie genug davon bekommt. Da jeder Wind die Wellen anders formt und das Licht auch jedes Mal wieder neue Effekte zaubert, ist meine Vorgabenliste ziemlich lang :-).
Darum: beim nächsten Wind bin ich wieder draußen!
Hier eine kleine Galerie mit Fotos der letzten Tage rund um das Thema Wasser und Licht. Die Bilder vergrößern beim Hineinklicken. Meine aktuellen Obsessionen sind die rot hinterleuchteten Abendaufnahmen. Und welche Gestaltungsvariante ist dein Favorit?
- Wie der Caprino gemacht wird
- Kuhreiher im Abendlicht
So sehr ich die Sucht verstehen kann – und den Frust über die Auswertung! – bei den Ergebnissen würde ich wahrscheinlich nicht mehr so oft ans Wasser gehen! Mein Favorit ist eindeutig die 1, hier kommt für mich die Wucht des Wassers am klarsten rüber. Die Langzeitbelichtung des Wellenüberschlags will mir nicht so richtig einleuchten, im Gegensatz zu den schnellen Verschlusszeiten fühlt sie sich falsch an.
Am meisten faszinieren mich aber die Steine, noch mit dem Gegenlicht; vielleicht auch, weil ich meine, viele dieser Steine wiederzuerkennen. Es war eine schöne Zeit auf Sardinien.
Auf weitere so schöne Bilder!
Michael
Um weiteren Missverständnissen vorzubeugen: ich finde die Bilder der Wellen so gelungen, dass ich mich wahrscheinlich zufrieden geben würde. Aber wie ich dich Michaela kenne, wirst du sicher weiter nach weiteren Lichtstimmungen und Formen suchen. Und das ist gut so!
Hallo Michael,
na klar mache ich weiter! Wasser und Licht ist für mich ein unerschöpfliches Thema.
LG
Michaela
Liebe Michaela,
die Bilder sind alle sehr ästhetisch. Dort wo noch das orangefarbene Licht hinzukommt, sind die Farben wunderschön. Das Bild 12 aber offenbart mir etwas, was weit darüber hinausgeht. Das Wasser hat die Form einer grossen Wasserschnecke. Dazu kommt mir das Buch von Schwenk in den Sinn, „sensibles Chaos“. Dort zeigt er die formgestalterische Kraft des Wassers. Wunderbar, wenn solche Bilder gelingen! Herzliches Kompliment und lieber Gruss Susanne
Hallo Michaela,
wunderschöne Fotos, mein Favorit ist dieses Mal eindeutig die Schaumspirale, Bild 12, aber auch alle anderen sind umwerfend…
Wer jemals das Glück hatte, beim Baden am Meer mit Brille so eine Welle zu erwischen und dann ohne Brille aber mit der Badehose voll Sand an Land gespült zu werden, der weiß wovon ich rede.:-)
Liebe Grüsse aus Griechenland
Heinz
Hallo liebe Michaela,
es ist schon faszinierend, wie Du Dich der Fotografie zeitlich und örtlich hingeben kannst und darfst – würde ich auch gerne.
Wunderbare Fotos – jedes für sich ist ein Kunstwerk und drückt etwas anderes aus. Ob Langzeitbelichtung oder die schnellen Bewegungen mit den unterschiedlichen Formen – alle haben sie den Reiz, die Kraft des Wassers, der Natur zu zeigen.
Sehr, sehr schön…! Da möchte man gleich dort sein…
Dir eine ganz schöne Zeit und herzliche Grüße
Christa
Hallo,
schwierig zu entscheiden. Ich mag die Langzeitbelichtungen vor allem im goldenen bzw. roten Licht, aber mir gefällt auch die Welle links unten mit ihrer skurrilen Form.
Aber ich habe auch gelernt, dass der Wind verschiedene Namen haben kann. Nicht das ich mir die einzelnen Namen merken könnte, aber die Tatsache als solche ist ja auch schon ungewöhnlich.
Eine schöne Zeit auf der Insel mit schönen Motiven und stets so schönem Licht wünscht
Gisela