Michaelas Logbuch – Fotoreisen und Fotoprojekte

Wie der Tsipouro gebrannt wird

Zur Zeit halte ich mich im gebirgigen Zentralgriechenland, genauer in Milia, einem kleinen Dorf auf 610 Metern über dem Meer auf. Auch auf dieser Höhe wachsen Weinreben, gedeihen Quitten, Walnüsse und Oliven. Hin und wieder sind aus der Ferne die Glocken einer Schafherde zu hören. Vor drei Jahren durfte ich bei der Weinlese und beim Keltern dabei sein und auch fotografieren. Mehr darüber kannst du hier nachlesen.

Nun bin ich wieder in diesem Dorf, um zu erfahren wie aus dem Kelterrückständen circa vier Wochen nach der Lese ein traditioneller griechischer Schnaps – der Tsipouro – gebrannt wird. Tsipouro ist also ein Tresterschnaps, weit verbreitet und im Privatalltag präsenter als Ouzo.

Bei meiner Ankunft läuft die Anlage schon. Der fast 80-jährige Hausherr hat alles routiniert unter Kontrolle und winkt mich hinein. Ich bin überrascht, wie einfach und überschaubar das Ganze aufgebaut ist.

Ein hüfthoher Edelstahlbehälter mit einem Rohr am oberen Ende wird mit einer Portion Trester und circa acht Litern Wasser gefüllt und auf eine gasbetriebene Brennstelle gesetzt. Am anderen Ende fließt der Tsipouro in einen gläsernen Auffangbehälter, der gelegentlich in eine größere Flasche umgeleert wird.

Die Wasser-, Trester- und Entnahmemengen sind mit jahrzehntealten Erfahrungswissen so dimensioniert, dass der Alkoholgehalt am Ende bei circa 40% liegt. Den genauen Wert liefert zum Schluss die Messung mit dem Aräometer. Welch ein Erlebnis und welch ein unvergesslicher Duft! Natürlich muss dabei auch hin und wieder probiert werden. Direkt aus dem Auslaufrohr, noch leicht warm hat es mir am besten geschmeckt. Vom Geschmack her ist er vergleichbar mit einem weichen Grappa, mit einem leichten Aroma von fermentierten Trauben.

Vielen Dank, dass ich bei euch dabei sein durfte!

Zum Abschluss hier, wie immer, eine kleine Galerie dieser unvergesslichen Tsipouro-Erlebnissse. Mein Lieblingsfotos sind die Nr. 11 und 12. Und welche gefallen dir?

Für die Vollbild- bzw. Slideshow-Ansicht bitte in ein Vorschaubild hineinklicken!

8 Gedanken zu “Wie der Tsipouro gebrannt wird

  1. Torsten Funk

    Liebe Michaela,
    schön, dass Du wieder unterwegs bist und uns mit Deinen Bildern verwöhnst. Griechenlands Norden ist wirklich eine wunderschöne und noch recht ursprüngliche Gegend, die Du hier wieder schön dargestellt hast.
    Viele Grüße aus dem hier typischen Hochnebel an die Sonne!
    Torsten.

    1. Michaela Artikel Autor

      Hi Torsten,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Das kleine griechische Dorf am Rande der Welt in dem der Tsipouro gebrannt wird, liegt nicht in Zagori, sondern im Giona-Gebirge, irgendwo zwischen Patras und Delphi. Mehr kann ich hier aus schnapstechnischen Gründen nicht verraten 🙂
      LG
      Michaela

  2. Christa Jedelhauser

    Hallo liebe Michaela,
    eine schöne Reportage über das Schnapsbrennen. Man sieht, dass auch mit einfachen Apparaturen was Gutes herauskommen kann! Das Probieren und die Freude darüber sind unbezahlbar.
    Ich würde jetzt nach dem Mittagessen auch gerne so ein Schnäpschen genießen, noch dazu in so einer schönen Umgebung…!
    Herzliche Grüße
    Christa

    1. Michaela Artikel Autor

      Liebe Christa,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Gerne würde ich mit einem Tsipouro nach dem Mittagessen mit dir anstoßen.
      Vielleicht kann ich ja bis zur nächsten Masterclass etwas aufheben?
      LG
      Michaela

  3. Steffen Lutz

    Liebe Michaela,
    ein kurzweiliger Bericht, den vermutlich nicht nur die „Schnäpsler“ unter den Fotografen erhellend finden dürften, alleine die Landschaft im Hintergrund und der „Duft“ Griechenlands machen den herbsttrüben Sonntagnachmittag doch viel angenehmer.
    Das Portait des Mannes ist Dir außergewöhnlich gut gelungen, spannend ist die Lichtsichel um das Auge. Toll!
    Bei dem dampfenden Haufen war ich mir erst nicht sicher was das wohl ist… 😉
    Liebe Grüße
    Steffen

    1. Michaela Artikel Autor

      Lieber Steffen,
      vielen Dank für dein Feedback zu den Fotos. Es freut mich, dass dir das Porträt des alten Herrn gefällt. Er ist auch wirklich sehr fotogen, finde ich.
      Dass du den dampfenden Tresterrückstand nicht sofort erkannt hast, kann ich nun aber gar nicht verstehen 🙂
      Michaela

  4. Helge Hildebrand

    Vielen Dank für diese aufschlußreiche Reportage. Mir gefallen Nr. 1 und 12 am besten. Dem alten Mann sieht man seine 80 Jahre nicht an. Da sage noch einer, Alkohol schade der Gesundheit 🙂
    Bitte eine Flasche Tsipouro per express an mich schicken.

    1. Michaela Artikel Autor

      Moin Helge,
      da ich selber nur eine Flasche mitnehmen kann, wird das leider nichts mit dem Express-Versand an dich. Aber wenn du im nächsten Jahr mal Zeit hast, in Cuglieri vorbei zu kommen, hab ich vielleicht noch ein Gläschen davon für dich übrig.
      Michaela

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