Wie blau ist der Blauschwarze Eisvogel?
Nein, dies ist keine Enthüllungsgeschichte über dramatischen Alkoholkonsum im Tierreich. Es geht darum, wie wir und unsere Kameras Farben wahrnehmen. Und darum, wie wir die „richtige“ Farbwiedergabe herbeizaubern können. Der Blauschwarze Eisvogel (Limenitis reducta) gehört zur Familie der Edelfalter. Bekanntere Vertreter dieser Familie sind das Tagpfauenauge, Distelfalter und Admiral. Er hat nach Bellmann eine Flügelspannweite von 45-50 mm und erscheint damit im Flug ähnlich groß wie das Tagpfauenauge.
Die Flügelunterseite zeigt schöne Farben, aber kein Blau. Wie sieht es mit der Flügeloberseite aus?
Das kann auch nicht so recht überzeugen. Um den Blauschwarzen Eisvogel mit einem Hauch von Blau zu fotografieren, hilft geduldiges Beobachten. Der Effekt des Blauschillerns erscheint nur unter bestimmten Beobachtungswinkeln. Je nachdem, wie das Objektiv auf die Flügel ausgerichtet ist, lässt sich mehr oder weniger von diesem Metallicblau im Foto festhalten. Gemein: hast du die Kamera auf dem Stativ auf Hüfthöhe aufgebaut, schaust aber selbst aus Augenhöhe auf das Tier, unterscheidet sich deine Farbwahrnehmung wegen des unterschiedlichen Blickwinkels schon von der der Kamera.
Warum ist das so?
Die Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft hat dem Schmetterlings-Blau eine eigenen Artikel gewidmet. Dort wird die Sache so auf den Punkt gebracht: „Denn das Geheimnis der Schmetterlingsflügel ist ihre spezielle Oberflächenstruktur aus hoch geordneten mikroskopisch kleinen Schüppchen. Im Gegensatz zu konventionellen Farben entsteht das Schmetterlings-Blau nicht aufgrund von Lichtabsorption durch Pigmente, sondern aufgrund von Brechung und Streuung des Lichtes an der Schüppchen-Struktur. Dieses Phänomen wird als strukturelle Farbgebung bezeichnet“.
Wenn du die folgenden Fotosequenz durchlaufen lässt, kannst du dich selbst von der Winkelabhängigkeit des Blauschillerns überzeugen. Der Falter hatte sich auf seiner Sitzwarte (Wasserminze) gedreht und seine Flügel bewegt. Jedes Bild hat ein eigenes Blau. Mal mehr, mal weniger. Mal verhaltener, mal kräftiger. Ein bisschen habe ich aus bildgestalterischen Gründen bei der Aufnahme der Sequenz Kamera und Fokus nachgeführt.
Es ist gut, den hier gezeigten Effekt für die nachträgliche Artbestimmung anhand eines Fotos zu kennen. Besonders wenn du dabei auf „Suche nach Farben“ klickst. Mit den zuerst gezeigten zwei Fotos oben wäre das schwierig geworden. Die Winkelabhängigkeit der Farbwiedergabe ist ein Phänomen, das übrigens auch bei schillerndem Vogelgefieder und Seifenblasen auftritt.
Mein Tipp für Schmetterlings-Fotografen und –Fotografinnen
Oft drehen sich die Falter, wenn sie an einer Blüte oder Saftquelle saugen langsam um 360 Grad. Mit einer Fotosequenz, die verschiedene Stellungen erfasst, bist du dann bestimmungsmäßig auf der sicheren Seite. Und das nicht nur beim Blauschwarzen Eisvogel. Das letzte Foto unten zeigt die Flügelunterseite des Großen Fuchs. Um das schöne Schillern festzuhalten, gab es nur ein relativ schmales Winkelfenster. Außerhalb dieses Bereiches erschienen die Flügel eintönig und kontrastarm, fast so, als hätte ich es mit einer anderen Art zu tun gehabt.

Vielleicht hast du auch schon mal ähnliche Effekte in anderen Fotosituationen beobachtet? Motive, bei denen es mit der Farbwiedergabe auf Anhieb einfach nicht richtig funktionieren wollte? Wenn du magst, schreib eine kurze Notiz darüber in das Kommentarfeld. Es wäre doch schön, wenn wir dieses Thema erweitern könnten. 🙂
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Liebe Michaela,
jetzt habe ich (etwas verspätet) deinen Artikel zur Entstehung der Farben von Schmetterlingsflügeln auch gelesen. Für Schmetterlingsfotografen ist dieses Wissen äußerst hilfreich. Gutes Hintergrundwissen führt automatisch zu besseren Bildern.
Gefällt mir auch sehr, deine Farben-Jagd.
Was mich darüber hinaus interessieren würde; warum macht die Evolution solche Verenkungen. Das hat doch sicher für den Schmetterling bzw. seine Gattung eine Bedeutung.
Liebe Grüße aus dem herbstlichen Renchtal
Bernhard
vielen Dank für deinen Kommentar zum Blauschwarzen Eisvogel. Du fragst, warum die Evolution so etwas hervorgebracht hat. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass die Farben der Schmetterlinge der Partnersuche, der Abschreckung von Fressfeinden und/oder der Tarnung dienen. Bei Wikipedia siehst du hier in dem Abschnitt „Mimikry, Tarnung, Warnung“ einige Beispiele. Wenn du bei der Frage nach dem Warum in der Fachliteratur etwas tiefer gräbst, findest du gelegentlich auch Sätze wie „das ist noch nicht vollständig verstanden“. Ist doch auch irgendwie schön, dass die Natur dem Menschen immer noch so manches Rätsel aufgibt, oder?
LG
Michaela
Sehr informative Ausarbeitung über die Farbbesonderheit des Schmetterlings „Der Blauschwarze Eisvogel“. Den Effekt des Blauschimmerns hast Du in der Fotosequenz sehr anschaulich dargestellt durch Geduld, optimale Lichtbedingungen und einen geeigneten Blickwinkel. Der beschreibende Text hilft, die Eigenheiten dieser Farbbesonderheit zu verstehen.
vielen Dank für dein Feedback zu diesem Bericht. Es freut mich, dass er dir gefallen hat und dass die Fotos das, was ich zeigen wollte, für dich rüberbringen. Hattest du nicht mal versucht, Seifenblasen zu fotografieren? Da gibt es einen ganz ähnlichen, winkelabhängigen Farbschiller-Effekt.
LG
Michaela