Schluchten – Entdeckungstouren in Griechenland
Angeblich gibt es zwei Typen von Reisenden: die einen wollen immer ans Meer, die anderen in die Berge. Mit diesem Schubladendenken kann ich wenig anfangen. Klar, am Meer fühle ich mich wohl, Wasser ist eines meiner bevorzugten Fotomotive. Aber eine andere Foto-Obsession, der ich seit Jahren folge sind Schluchten. Über Zagori und die Vikos-Schlucht in Nordgriechenland hatte ich hier schon zweimal 2018 und 2021 berichtet. In Griechenland ist die Landschaft zu mehr als 77% von Gebirgen geprägt. Es gibt dort außer der Vikos-Schlucht noch viele weitere spektakuläre, wilde, abenteuerliche Schluchten. Manche sind mit Wanderwegen gut erschlossen, bei anderen gibt ein steiniges Flussbett den Weg vor. Für diesen Bericht habe ich meine Entdeckungstouren der letzten Jahre in Griechenland aufgearbeitet um drei weniger bekannte Gebiete vorzustellen.
Die Acheron-Schlucht
Begeistert hat mich die Schlucht des Acheron in Nordwest-Griechenland. Sie wird in den alten Legenden als Eingang zum Hades beschrieben. Der Acheron ist ein 58 Kilometer langer Fluss in der Region Epirus. Die Acheron-Schlucht beginnt an der Brücke von Serziana. Dort markiert ein Schild am Straßenrand diesen Punkt als Eingang zum Hades. Sie endet am Rande des Ortes Glyki. In diesem Flussabschnitt sprudeln auf beiden Seiten des Flusses die „Quellen des Acheron“. Diesen kalten Quellen im und entlang des Flussbetts wurde nachgesagt, dass sie direkt aus der Unterwelt kämen. Der kleine Ort Glyki (438 Einwohner, Stand 2011, Teil der Gemeinde Souli) ist für die Erkundung ideal. Von dort führt ein Wanderweg bis an den Acheron und den Eingang der Schlucht.
Bei den Versuchen, die eindrucksvolle Schlucht mit der Kamera einzufangen, stand ich im knöchel- bis knietiefen Wasser des Acherons. Passende Wanderschuhe gab es für 10€ vor Ort. Fotografisch ist das Spiel mit Licht und Schatten hier interessant. Die Farben und Strudel des Wassers im wechselnden Licht festzuhalten, ist eine andere Herausforderung. Je nach Jahreszeit beziehungsweise dem damit verknüpften Wasserstand und der Wassertemperatur lässt sich die Acheronwanderung weiter in die Schlucht hinein fortsetzen.
In einem Nachbartal habe ich eine verfallene Wassermühle entdeckt. Hier war Grün die vorherrschende Farbe, sogar im Gebäudeinneren, wo das Wasser in kleinen Kaskaden eine moosbewachsene Treppe herunterfloss.
Zur Geschichte und dem Ursprung des Namens Souli gibt es interesssante und ausführliche Informationen bei Wikipedia.
Prousos
Rund 200 Kilometer südlich von Glyki in Zentralgriechenland liegen Kloster und Ort Prousos an der Flanke eines steilen Tals. (Region Evrythania, 1430 Einwohner, Stand 2011). Auf markierten Wanderwegen gelangt man in die Schlucht, zu Wasserfällen, einer Höhle, einer alten Mühle – es gibt so viel zu entdecken! Um alles zu erkunden, reicht eine Woche kaum aus.
Die Gründung des Klosters Prousos wird je nach Quelle auf das 12. oder das 9. Jahrhundert zurückgeführt. In der Periode des griechischen Unabhängigkeitskampfs (1821-1829) war das Kloster ein Zufluchtsort für einige Freiheitskämpfer wie Georgios Karaiskakis, Markos Botsaris oder Lambros Katsonis. Im zweiten Weltkrieg wurde das Kloster von deutschen Truppen zum Teil zerstört. Bei dem Feuer wurden wertvolle Gegenstände, darunter Manuskripte und Bücher vernichtet.

Ein Wasserfall der besonderen Art ist der Mikro Pantavrechei, übersetzt: „es regnet immer“. Das fallende Wasser bildet in der Schlucht einen Vorhang aus „Regentropfen“. Auch hier kamen wieder die Wasserschuhe zum Einsatz. In wenigen Minuten gelangte ich hinter den Regenvorhang und versuchte, die Tropfen, die Schlucht und den Fluss mit hoher ISO-Zahl (6400!) aus der Hand festzuhalten. Eins ist klar: beim nächsten Mal nehme ich das Stativ mit.

Das Foto Nr. 7 in der Galerie weiter unten zeigt die „Schwarze Höhle“ Mavri Spilia. Sie ist zwei Kilometer vom Dorf Prousos entfernt. Während der osmanischen Herrschaft und während der deutschen Besatzung war sie ein Zufluchtsort für die Bewohner der Region. Auf dem Weg zu dieser Höhle bietet sich ein schöner Wasserfall für einen ersten Fotostopp an. Im Sommer soll dessen Becken zum Baden geeignet sein.
Am Golf von Korinth
Eine Fahrt von noch einmal 100 Kilometer in Richtung Süden endet am Golf von Korinth, der die Peloponnes-Halbinsel vom nördlichen Festland trennt. Von dort führt die Küstenstraße von Nafpaktos zum 100 Kilometer entfernten Publikumsmagnet Delphi. Doch auf dieser Strecke einfach Gas zu geben und durchzufahren wäre schade. Die Schluchten, die sich hier auf Meeresniveau hoch in die Berge erstrecken, sind wild und schön. Nur zum Teil sind sie rudimentär mit Wanderwegen erschlossen. Die Erkundungstouren im Herbst 2021 waren sowohl vom Wander- als auch vom Natur- und Fotoerlebnis her faszinierend. Wenn sich das leuchtende Herbstlaub im Wasser spiegelt, kommt ungebremste Fotofreude auf. Einige Ergebnisse sind in der Galerie unten mit Bild 20-24 zu sehen.
Zum Abschluss hier, wie immer, eine kleine Galerie zu den beschriebenen Schluchten in Griechenland. Meine derzeitigen Favoriten sind die Nr. 11 und Nr. 18. Und welche gefallen dir?
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Grandiose Landschaft und wie von Dir gewohnt wunderbar in Szene gesetzt. Beim Durchblättern schien es mir, als würde ich durch die geologische Erdgeschichte wandern. Besonders Foto #3 gefällt mir sehr mit dem uralten Baum, der sich gegen die Urgewalten Wasser und wahrscheinlich Hitze wehren muss. Dass diese faszinierenden Schluchten eine ungeheuere Anziehungskraft ausüben kann ich nachvollziehen.
Ich hoffe, auch das neue Jahr 2022 hält wieder solch tolle Fotomomente für uns bereit.
Herzliche Grüße aus dem erdgeschichtlich wohl älteren Renchtal ;-))
Bernhard
Liebe Michaela,
da hüpft mein Griechenlandherz doch wieder rhythmisch bei jedem Weiterklicken. Aber das alleine wäre zu kurz gesprungen, meinen Dank auch für die ausführliche Beschreibung zu Geschichte und Kultur.
Was will man mehr?
Danke sehr 🙂