Michaelas Logbuch – Fotoreisen und Fotoprojekte

Schluchtenexpedition in Griechenland

Schon die Anfahrt ist abenteuerlich: das Ziel ist laut Routenplaner zwar nur 126 Kilometer vom Fährhafen Patras entfernt, die Strecke wird aber, weil steil und kurvenreich mit 2.5 Stunden veranschlagt. Nun gut, das war bei einer Schluchten-Expedition zu erwarten. Dass an einer Stelle die Hälfte der schmalen Straße weggebrochen ist, hätte allerdings nicht sein müssen. Dann die Passhöhe und runter geht’s, ebenfalls mit vielen Kurven und tollem Landschaftspanorama nach Prousos, wo uns im Hotel Agathidis das freundliche Gastgeber-Ehepaar erwartet. Wir genießen den Abend und die ersten Souvlaki draußen auf der Platia – natürlich mit Schluchtblick.

Die Schlucht von Prousos, im Vordergrund der Uhrenturm des Klosters

Vor einem Jahr hatte ich an hier über meine Begeisterung für Schluchten-Abenteuer in Griechenland berichtet. Diese Begeisterung wollte ich gerne mit genauso abenteuerlustigen Fotofreunden teilen. Ich fragte rum, wer Interesse hätte, im Oktober 2022 eine Woche lang einige dieser vielen Schluchten zu erkunden. Mit Bernhard, Peter, Ralf, Steffen, Torsten und mir fand sich eine Gruppe von 6 Expeditionsteilnehmern zusammen. Unsere Fotoziele lagen im Tal von Prousos und in der Acheron-Schlucht bei Glyki.

Das Kloster Panagia Prousiotissa. Zur Bedeutung und wechselvollen Geschichte des Klosters kannst du hier noch etwas mehr nachlesen.

Kloster und Ort Prousos liegen an der Flanke eines steilen Tals im Westen des griechischen Festlandes (Region Evrytania, 1430 Einwohner). Auf markierten Wanderwegen gelangt man in die Hauptschlucht, von der mehrere Nebenschluchten abzweigen, zu Wasserfällen, einer alten Bogenbrücke, der schwarzen Höhle Mavri Spilia. Am Dorfende versteckt sich in einem unscheinbaren Gebäude ein Gourmet-Geheimnis. Christos Stremmenos verkauft hier Proussouto, den einzigen luftgetrockneten Schinken Griechenlands. Mehr darüber hier. Um alles in und um Prousos zu erkunden reicht eine Woche bei Weitem nicht aus.

Prousosblick – nach dem Regen aufsteigende Wolken über der Schlucht

Steffens Eindrücke von der Früh-morgens-Tour zur Blauen Stunde beim Kloster: „Es lichtet sich, Nebelschwaden ziehen auf, Schwarzweiß ist meine Wahl, die Begeisterung ist da und die Sonne zeigt sich. Herbstliche Farben, schluchtige Blicke und das ewige Ringen um den Vordergrund und Blickführungslinien bestimmen die Ergebnisse. Fotobootcamp eben.“

Wie fotografiere ich eine Schlucht? Bei der Vorbesprechung kreisen wir das Thema langsam ein. Wie kommt die Tiefe ins Bild? Welche Brennweite fängt die Mächtigkeit der Schluchtwände am besten ein? Zuviel Weitwinkel marginalisiert den Hintergrund. Die Felsen am Ende des Bildausschnittes sehen dann geschrumpft aus, der Eindruck von Größe geht im Foto verloren. Bei zu viel Tele verliert sich hingegen das große Ganze. Will ich eine Geschichte meiner Schluchtenabenteuer erzählen, kann dies aber schöne ergänzende Akzente als intimate Landscapes setzen.

Intimate Landscape

Am Ende landen wir bei unserem Gespräch wieder bei den Grundregeln der Bildgestaltung: Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund komponieren, diagonale Blickführungslinien  suchen. Das ist uns allen natürlich schon lange theoretisch klar. Warum machen es einem die Schluchten trotzdem so schwer? Ein Grund ist vielleicht, dass Schluchtenwanderungen von uns auch einigen körperlichen Einsatz fordern, Konzentration und Trittsicherheit, gelegentlich mitten im Flussbett. Schluchten können unheimlich oder die Abenteuerlust herausfordern sein, geheimnisvoll, das Wasser zum Zähneklappern kalt. Die fotografische Herausforderung wäre dann also, nicht nur die Regeln der Bildgestaltung anzuwenden, sondern zusätzlich auch die empfundenen Emotionen beim Schlucht-Erlebnis im Foto rüber zu bringen.

Geheimnisvoll? Unheimlich? Was siehst du in diesem Bild?

Ein Schluchtabschnitt mit einem ungewöhnlichen Wasserfall ist so ein Fotoziel, zu dem der Weg durchs kalte Wasser führt. Wir steigen zum Mikro Pantavrechei, übersetzt: „es regnet immer“, hinunter. Das fallende Wasser bildet in der engen, dunklen Schlucht einen immerwährenden Tropfen-Vorhang. Steffen beschreibt dieses Schluchterlebnis so: „Richtig adventurmäßig wird’s aber erst jetzt. Wir stiefeln einen schmalen und steilen Pfad hinab, moosbewachsene Methusalems säumen den Weg und führen uns in die Pantavrechei-Schlucht. Unten angekommen entscheidet sich die eine Hälfte für den linken Weg, Badeschuhe an und vorsichtig tastend über runde rutschige Kiesel unter dem ständig leicht regnenden Moosüberhang auf Bildersuche. Harte Kontraste, unten rauschend, kalt und nass oben nass und links und rechts eine Motivvielfalt wie aus dem Katalog.

Steffen, hier auf dem rechten Weg 🙂 

Die andere Hälfte nimmt den rechten Weg, turnt über kleine und sehr große Steine und folgt dem meist flachen Flusslauf, erst mal nicht ins Wasser fallen ist die Devise. Nebenbei: Motivsuche und Hoffen auf gnädiges Licht. Nach einem spannenden Ausflug mit viel Gleichgewichtsübungen und Stativeinstellungen, werden die Füßchen wieder abgetrocknet und tragen uns zuverlässig den Berg hinauf zu den Autos. Coole Sache. Zu erwähnen wäre noch, dass die Fahrer, Bernhard und Torsten, den teils holprigen Fahrweg mit Schluchtblick meisterhaft gefahren sind. Über Stock und über Stein… „

Bunt gebändertes, schräg gestelltes Gestein

Die Acheron-Schlucht

In der zweiten Hälfte unserer Schluchtenwoche erkunden wir die Acheron-Schlucht, die in alten Legenden als Eingang zum Hades beschrieben wird. Startpunkt der Exkursionen ist der kleine Ort Glyki  (438 Einwohner) in der Provinz Epirus im Nordwesten Griechenlands, rund 200 Kilometer nördlich von Prousos. Der Acheron ist ein 58 Kilometer langer Fluss, dessen Schlucht an der Brücke von Serziana beginnt. Der Endpunkt der Schlucht liegt am Ortsrand von Glyki. Dort entspringen an beiden Ufern des Flusses die vielen „Quellen des Acheron“. Diesen Quellen wird nachgesagt, dass sie direkt aus der Unterwelt kämen.

Glyki ist für die Erkundung der Acheron-Schlucht ideal. Auf einem Wanderweg gelangen wir am Ufer entlang direkt an den Eingang der Schlucht. Überall sprudelt türkisfarbenes Wasser. Raus aus den Schuhen und Strümpfen … ich übergebe wieder an Steffen: „… schnallen wir die schicken Badeschuhe um und waten mit Sack und Pack flussaufwärts. Steile Klippen und Farbkonstellationen, die den Weißabgleich schwitzen lassen erwarten uns. Das Wasser im Fluss ist anfangs frisch, dann nicht viel wärmer, aber als die Zehen dann taub waren, muss man sich nur auf das nächste Motiv konzentrieren, geht also noch. Wir hatten jedenfalls Spaß und wo andere schon bis zur Hüfte im Wasser standen, waren meine Kniescheiben noch immer trocken.“ 

Steffen, wie war das mit den Kniescheiben noch gleich?

Als das Wasser von knöcheltief über knietief bis Brusthöhe steigt, kehren wir an einer Engstelle der Schlucht dann doch lieber um. Hier zu stolpern wäre blöd für die Kamera gewesen.

An dieser Engstelle wurde es tief

Bevor alle wieder über die nordgriechische Hafenstadt Igoumenitsa mit dem Schiff in Richtung Ancona/Italien abreisen, verbringen wir einen letzten gemeinsamen Abend in einer Taverna mit netter Bedienung  auf dem Kiesstrand direkt am Acheron Ufer. Ein genussvoller und geruhsamer Ausklang bei leckerem Essen inmitten einer wunderbaren Naturlandschaft. Ralf fasst seine Eindrücke im Rückblick so zusammen „Es war ne tolle Gruppe, die An- und Abreise mit der Fähre hat gut geklappt und ich habe Orte gesehen, an die ich als normaler Griechenland-Tourist bestimmt nicht gereist wäre. Wir haben viel erlebt und die entstandenen Bilder sind ein Teil davon – für mich eine rundum gelungene Reise für die es gerne eine Fortsetzung geben kann.“

Tschüß Fotofreunde! Es war schön, gemeinsam mit euch in diesen Schluchten auf Entdeckungstouren zu gehen.
Blick von der Taverna am letzten Abend auf den Fluß. Tschüß Acheron!

Zum Abschluss hier eine Galerie mit Fotos von Bernhard, Peter, Ralf, Steffen, Torsten und mir. Was meinst du, sind die hier gezeigten Fotos „schluchtig“? Über Rückmeldungen von dir freuen wir uns. Für die Vollbild- bzw. Slideshow-Ansicht bitte in ein Vorschaubild hinein klicken! 

7 Gedanken zu “Schluchtenexpedition in Griechenland

  1. Christa Jedelhauser

    Hallo Michaela,
    was für tolle, beeindruckende Fotos…! Wunderschön die wilde Natur dort, das traumhafte Wasser und zum Teil die sehr geheimnisvollen Plätze…! Und natürlich die begeisterten Fotografen – bestimmt ein unvergessliches Erlebnis.
    Liebe Grüße und vielen Dank, dass Ihr die Bilder zeigt und man es dadurch ein bisschen miterleben darf – wie schön…!
    Liebe Grüße
    Christa

    1. Michaela Artikel Autor

      Hallo Christa,
      Gerne haben wir dich via Reiseblog virtuell zu unseren Entdeckungstouren mitgenommen. Dein Kommentar zeigt uns, dass der Bericht und die Fotos es geschafft haben, etwas von der Stimmung unserer Schluchtenexpedition rüber zu bringen. Vielen Dank!
      LG
      Michaela

  2. Michael Nickel

    Sehr beeindruckende Schluchten! die Bilder als Ensemble geben die Wildheit der Landschaft sehr eindrücklich wieder. Wenn ich mir einen Favoriten aussuchen sollte, wäre es Bild 120480_DxO von Michaela. die Kombination von Welt über und unter Wasser ist sensationell! Das soll den Eindruck der anderen Bilder aber nicht schmälern. ich könnte noch einige andere aufzählen, die mir sehr gut gefallen.
    viele Grüße Michael

    1. Michaela Artikel Autor

      Hallo Michael,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich, dass dir unsere „schluchtigen“ Fotos und darunter auch mein Unter-Wasser/Über-Wasser-Foto gefallen. Mit Experimenten zu dieser Art von Bildern habe ich mich hier auf Sardinien den ganzen letzten Sommer über beschäftigt. Macht Spaß, dauert aber, bis ein kleines Portfolio von akzeptablen Ergebnissen zusammen kommt. Im neuen Jahr möchte ich eine kleine Auswahl davon hier einstellen. Also, demnächst mehr auf dieser Seite …
      LG
      Michaela

  3. Steffen

    Hallo Michaela, Hallo Schluchten-Männer,
    der gerechte Lohn für die Reise sind die abwechslungsreichen Bilder in der Galerie. Meinen Dank an alle für die nette Zeit, die Beiträge hier und natürlich an Dich Michaela, für die Organisation.
    Ich finde es spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen der Orte sind. Außerdem ist bei den ähnlichen Bildern interessant, wie sich die Bildwirkung ändert, bei geringfügig unterschiedlichem Standpunkt/ Bildschnitt.
    Vielleicht klappt’s ja 2023 wieder 🙂
    Liebe Grüße
    Steffen

  4. Bernhard

    Ich kann Peter nur zustimmen; es war für mich eine rundum gelungene Unternehmung.
    Auch von meiner Seite ein herzliches Dankeschön an Dich, Michaela.
    Herzliche Grüße
    Bernhard

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