Von Santorini nach Anafi
Seit Jahren gehe ich mit meinen Kursteilnehmern zur Sonnenaufgangstour an den Strand von Kamari. Über der Insel Anafi sehen wir dann morgens – sofern das Wetter mitspielt – die Sonne aufgehen. Manchmal scheint die Insel geheimnisvoll und unerreichbar im Dunst über dem Meer zu schweben. Das macht neugierig. Nach 10 Jahren Neugier auf Anafi fahre ich am 7. Oktober mit Auto und Dachzelt nach Athinios, dem Hafen von Santorini herunter, um die 17:40-Uhr-Fähre Aqua Spirit nach Anafi zu nehmen. Die Überfahrt dauert rund 2 Stunden. Außer mir sind noch eine Handvoll weiterer Passagiere an Bord. 5 Autos verlieren sich im Laderaum des Schiffes.
Anafi ist eine kleine Insel mit rund 300 Einwohnern. Sie hat nach Wikipedia eine Länge von 12 km, eine Breite von 6 km und eine Fläche von 40 km². Der höchste Berg ist 582 Meter hoch. Zum Vergleich: Santorini hat 92,5 km², rund 17.000 Einwohner, der höchste Berg mißt 567 m.
Vom Strand von Kamari aus wirkt Anafi recht überschaubar, etwa so wie Thirassia. Diese Nachbarinsel von Santorini lässt sich bei guter Kondition in einem Tag zu Fuß erwandern. Doch dieser Eindruck täuscht. Es ist schon dunkel, als ich im Hafen Agios Nikolaos ankomme, doch eines wird sofort auch im Dunkeln klar: diese Insel ist um Einiges größer, als erwartet und hier geht es überall steil bergauf! Vom Hafen zum Hauptort Chora sind reichlich Serpentinen mit dem Auto oder 1 1/2 Stunden Fußmarsch zu bewältigen.
Oben in Chora bläst ein heftiger Wind, es ist nicht daran zu denken, hier das Dachzelt aufzuklappen. Also wieder hinunter, ich parke doch lieber in der Hafenbucht von Agios Nikolaos im Windschatten der Felsen und beschliesse den Tag bei den netten Wirtsleuten in der Hafentaverne mit einem Mythos. Der Sonnenaufgang am Morgen darauf vergoldet den Strand, die Felsen und Häuser:
Wie kommt man nach Anafi?
Im Oktober 2014 gab es mehrmals pro Woche Schiffsverbindungen von Santorini nach Anafi und zurück. Die Überfahrt dauert knapp zwei Stunden. Das Personenticket kostet 8 € pro Strecke, das Autos 27 €. Die Abfahrtzeiten variieren je nach Saison, aktuelle Informationen hier: Openseas – Fährverbindungen
Unterwegs auf Anafi
Zu den Ankunftszeiten der Fähren steht am Hafen ein Bus bereit, um die Neuankömmlinge die steile Serpentinenstraße hinauf in den Hauptort Chora zu bringen. Von Chora abgesehen gibt es auf Anafi hier und dort vereinzelt einige Häuser im Inselinneren und im Umfeld der Strände. Dann noch die paar Häuser, die sich in der Hafenbucht Agios Nikolaos zusammen drängen, darunter das Fährticketbüro, 2 Tavernen, das Generatorgebäude – und das war´s.
Entlang der Südostküste reihen sich einige kleine Buchten mit schönen Sandstränden. Der erste, Klisidi, ist gleich vom Hafen aus über einen Fußweg (15 min) gut zu erreichen. Malerisch gelegen, mit Palme, Kirchlein und 2 Restaurants. Wer hier bleiben möchte, fragt am besten bei Margarita´s Cafe Restaurant nach einem Zimmer. Der Blick von der Terrasse ist umwerfend.
Weitere Strände erreicht man von der Straße zum Kloster Zoodochos Pigi aus, die etwas unterhalb von Chora Richtung Südosten abzweigt (Wegweiser Monastery 9 km). Sandpisten führen von dieser Straße hinab zu den Strandbuchten Katsouni, Mikros und Megalos Roukounas. Im Osten wird die Reihe der Strände von dem eindrucksvollen, hohen Marmormonolithen Kalamos, an dessen Fuß sich das Kloster befindet, begrenzt. Kalamos ist lt. Wikipedia nach Gibraltar der zweithöchste Felsen Europas. Auf dem Felsen thront das Kirchlein Panagia Kalamiotissa. Darüber schwebte, solange ich auf Anafi war, beständig eine graue, große Wolke.
Zwei weitere Straßen führen von Chora ins Inselinnere und von Chora nach Westen. Auf Sandpisten und Fußwegen kann man zu kleineren Gehöften, Stränden oder Kirchen wandern. Auf der Westroute verläuft die Straße hoch oben am Berg. Mehrmals sah ich Wegweiser zu Strandbuchten. Die sahen verlockend aus, wie sie so tief eingeschnitten im Fels weit unterhalb der Straße dalagen. Allerdings fehlte mir der Mut, die steilen Sandpisten hinunter zu fahren.
Beim Kloster
Das Kloster war verlassen, das Tor zugesperrt. Doch auch so ein schöner Ort mit einer tollen Aussicht auf das Meer im Norden und, wenn man sich um 180° dreht, das Meer im Süden. Unten eine klitzekleine Strandbucht wie aus dem Piratenfilm, ein paar graugrüne Klippen, von denen die mittlere aussieht, wie ein Schweinchen. Eine Überraschung versteckt sich am Steilhang: Krokusse, gelb und zahlreich. Eine der Blüten beherbergt eine räuberische Krabbenspinne. Wie immer bei diesen Tieren hält sie sich farblich Ton in Ton mit der Blüte. Krokus-Fotorausch im Oktober, bei gefühlter Windstärke 7.
Der angelegte Klostervorgarten hat mir auch gut gefallen. Falls jemand mit Bestimmungsbuch die Pflanze auf den Bildern zuordnen könnte, würde ich mich über eine Nachricht freuen. Die Blüten erinnerten mich an Jasmin, nur etwas größer und die Früchte waren unreif grün, reif tiefrot und etwa walnußgroß, Bilder von beidem in größer in der Galerie zu diesem Beitrag.
Nachtrag hierzu vom 20.10.: die Pflanze wurde von Carina als (Carissa macrocarpa) oder Natalpflaume bestimmt. Danke Carina!
Leider war es an diesem schönen Ort viel zu windig, um auch nur daran zu denken, das Dachzelt aufzuklappen. Und die Wolken über dem Kalamos wurden von Minute zu Minute mächtiger. Also zurück nach Chora, mit Bedauern. Ein wirklich besonderer Ort– trotz Wind und Wetter.
Oben in Chora
Chora ist ruhig, weiß und vornehm schön, ein autofreies Gassenlabyrinth. Viele Töpfe mit Basilikum säumen die Gassen. Welch ein Duft. Eine alte Frau schenkt mir zwei Zweige, als sie bemerkt, dass mir ihre Pflanzen gefallen. Danke! Am höchsten Punkt eine weiße Kirche und ein grandioser Rundumblick über die bergige Insel.
In Chora fand ich zwei Mini-Markets, einen Bäcker, hmm hat es dort gut gerochen, Milopita mit Zimt, mehrere Restaurants, häufig Schilder „Rooms to let“, Manos Rent-a-Car, ein wenig unterhalb vom Ort die einzige Tankstelle der Insel und einen Heliport. Nett: in der Taverna To Steki gibt es free wifi, das Passwort war groß für alle an die Balken der Pergola gepinselt. OK, Anafi ist abgelegen, aber ich habe Netz und beantworte meine Mails bei einem griechischen Kaffee in der Taverna Argos (Steki hatte zu). Telefonakku aufladen, Notebook an die Steckdose stecken – alles kein Problem, die nette Wirtin reicht mir gleich das Stromkabel, als sie meinen suchenden Blick bemerkt.
Unten am Hafen
Auch in der zweiten Nacht geht immer noch ein heftiger Wind. Also parke ich das Auto für die Nacht wieder am Hafen. Am nächsten Morgen bin ich dann gleich am richtigen Ort, um das Morgenrosa und den Sonnenaufgang am kleinen Strand zu fotografieren. Schön war´s!
Fazit
Anafi ist sicher kein Reisetipp für Jedermann. Keine großen Sehenswürdigkeiten, abends nix los, windig und zum Wandern überall sehr steil. Aber ich war gerne dort, die Ruhe hat mir gefallen. Das nächste Mal würde ich vielleicht das Auto auf Santorini stehen lassen und in Chora ein Zimmer nehmen. Ein Auto mit Dachzelt ist auf einer so steilen, und darum von allen Seiten windexponierten Insel zum Schlafen nicht die Idealvariante. Was ich toll fand: keiner hat mich komisch angeschaut, wenn ich morgens aus meinem Zelt die Leiter hinunterkletterte. Im Gegenteil: oreios! – schön!, wurde mein Ein-Zimmer-Apartment auf dem Autodach kommentiert. Das war ein netter Einstieg in den Tag. Es war schön, dort zu sein.
Galerie
Hier eine kleine Galerie mit Anafi-Eindrücken (vergrößert beim Reinklicken):
- Aufbruch nach Griechenland
- Eisvogel auf Santorini
…einfach nur Wow…
Liebe Michaela,
die Bilder sind toll und du bist echt zu beneiden.
Aber bald mache ich mich auf den Weg nach Griechenland, ich zähl schon die Tage.
LG Yvonne
Liebe Michaela,
ich bin auf Deine Bilder von Anafi gespannt.
Dein Blog ist eine tolle Idee, ansprechend und übersichtlich gestaltet. Werde gern öfters vorbeischauen.
Ich habe mich riesig gefreut Dich auf Rügen zu treffen bevor Du zu Deiner großen Reise aufgebrochen bist und wünsche Dir jetzt nochmal alles Gute, viel Gesundheit, gutes Licht und tolle Motive!
Viele Grüße, Sonja