Michaelas Logbuch – Fotoreisen und Fotoprojekte

Sa Pariglia – eine sardische Reiter-Tradition

Am vergangenen Sonntag kam ich mit eingestaubter Kamera, glänzenden Augen und gefühlt mindestens einer Hand voll Sand in den Haaren von einem Fotoausflug zurück. Der Grund? Atemberaubende Fotomomente bei einem Pferderennen, der Pariglia, auf Sardinien.

Aufgewirbelter Sand im Gegenlicht

Sa Pariglia ist eine spezielle Form des Pferderennens, die hauptsächlich auf Sardinien zu sehen ist. Dabei präsentieren jeweils zwei oder drei Reiter während eines rasend schnellen Ritts spektakuläre akrobatische Formationen. Die dabei gezeigten Figuren sind unterschiedlich: Zwei Reiter stehen auf ihren Pferden und halten sich untergehakt, zwei Reiter tragen einen Dritten, der auf ihren Schultern steht, ein dritter liegt seinen zwei Kollegen horizontal auf den Schultern, so dass sie eine „Brücke“ formen und viele andere mehr.

In manchen sardischen Dörfern oder Städten wird die jeweils ortstypische Form der Pariglia seit Jahrhunderten gezeigt. Am berühmtesten ist während des Carnevale die Sartiglia von Oristano, für die zehntausenden von Besuchern in die Stadt strömen.

Pariglia bei der Sartiglia in Oristano, 2020

Aber diese Rennen sind nicht nur auf die Karnevalszeit begrenzt. Es gibt übers Jahr viele, von Dorf zu Dorf unterschiedliche Feste, bei denen auch die Reiter mit ihren Pferden dabei sind. Datum und Anlass sind mit den weltlichen oder religiösen Traditionen des jeweiligen Ortes verknüpft. Was wann, wo jedes Jahr stattfindet, kannst du zum Beispiel im Veranstaltungskalender auf www.paradisola.it nachschlagen.

In diesem Jahr besuchte ich zwei Reiterveranstaltungen Ende Februar und Anfang März. Die erste fand in Scano di Montiferru, die zweite in Bortigali in der Provinz Nuoro statt. In beiden Orten war die Hauptstraße abgesperrt und mit Hilfe einer dicken Sandschicht zur Rennstrecke umfunktioniert worden.

Cursa a Puddas in Scano di Montiferru

In Scano war die Pariglia nur ein Nebenthema. Das Hauptthema war die „Cursa a Puddas“. Über der Rennstrecke war ein Seil gespannt, an dem drei Hühner (Puddas) hingen. Ziel war, möglichst viele Hühner im schnellen Ritt von der Leine herunter zu schlagen. Sieger war am Ende, wer nach mehreren Durchgängen die meisten Hühner geholt hatte. Falls es dich jetzt wegen der Hühner gruseln sollte – es waren Stofftiere.

Pariglia in Bortigali

Eine Woche später stand ich wieder am Rand einer abgesperrten, mit Sand aufgeschütteten Rennstrecke. Dieses Mal um die Pariglia in Bortigali zu sehen.

Ein rasender Ritt, von Pferdehufen aufgewirbelter Sand und viele Zuschauer, die dicht an dicht die Absperrungen flankieren. Unter diesen Randbedingungen sind die fotografischen Möglichkeiten etwas eingeschränkt. Gelegentlich schob sich im tollsten Moment eine Hand mit Smartphone vor mein Objektiv. Oder die Ordner waren nicht mit meinem – vielleicht etwas zu waghalsig exponiertem – Standort zufrieden. Alles in Allem: es gibt einfachere Fotosituationen.

Beim letzten Licht in Bortigali

Kameratechnisch hatte ich mich für T>= 1/1000s und ISO 400-3200 entschieden, dazu den nachfahrenden Autofokus, die Serienbildfunktion und f8, damit die Schärfentiefe vom Pferdekopf bis zum Reiter reicht. Um den unruhigen Hintergrund der Rennstrecke etwas einzugrenzen hatte ich an dem Tag in Bortigali das 100-400er Tele im Einsatz. In Scano di Montiferru versuchte ich mein Glück mit dem 24-105er Objektiv. Der Ausschuss war bei beiden Varianten etwa gleich groß. Welches Objektiv besser geeignet ist, hängt nach meinen bisherigen Erfahrungen eher vom Standort, von der Topografie der Rennstrecke und dem Publikumsdruck ab. Matchentscheidend war am Ende wieder das Licht. Von der Serie aus Bortigali gefallen mir die Fotos am besten, die im letzten Abendlicht entstanden sind und schon fast grenzwertiges Licht-Schattenspiel zeigen.

Hier eine kleine Galerie mit Fotos aus Bortigali (Nr.1-12) und Scano di Montiferru (Nr. 13-21). Meine Lieblingsfotos sind die 1, 11 und 14. Und welche gefallen dir am besten?

8 Gedanken zu “Sa Pariglia – eine sardische Reiter-Tradition

  1. Christa Jedelhauser

    Liebe Michaela,

    sehr gute Darstellung der wilden Reiterspiele – man ist dadurch wie dabei…! Die Begeisterung der Beteiligten spiegelt eine lange Tradition und den Zusammenhalt der Sarden wieder. Schön, dass es das noch gibt!
    Gefallen tun mir alle Bilder, das mit dem Jungen und dem Huhn ist so nett, aber natürlich die Pferde sind die „Hauptdarsteller“. Das erste Bild in diesem Text finde ich sehr, sehr schön…!
    Liebe Grüße
    Christa

    1. Michaela Artikel Autor

      Liebe Christa,
      vielen Dank für deinen Kommentar zu diesem Bericht. Ich fand den kleinen Jungen, der das Huhn geräubert hat auch sehr nett.
      Er hat es übrigens ganz schnell wieder zurück gebracht.
      LG
      Michaela

  2. Robert Barion

    Liebe Michaela,
    auch für mich war die Sartiglia und Pariglia 2020 in Oristano unvergesslich, auch Privat. Die obigen Bilder im Reiseblog lassen auch bei mir den Wunsch entstehen, nächstes Jahr auch wieder dabei zu sein. Für mich sind auch diejenigen Bilder, die die Dynamik der Pferde und der Reiter ausdrücken die besten, deshalb sind meine Favoriten die Nr. 1, 14, und 21. Am besten gefällt mir die Nr. 14, das Pferd scheint zu fliegen.

    1. Michaela Artikel Autor

      Lieber Robert,
      vielen Dank für deinen Kommentar zum „fliegenden Pferd“. Das ist genau der Grund, warum auch mir dieses Foto gefällt.
      Ich gebe dir Bescheid, wenn die Termine für nächstes Jahr feststehen.
      LG
      Michaela

  3. Peter Liebthal

    Liebe Michaela,
    das war wohl Gedankenübertragung. Gerade gestern habe ich mir auf der Highlighttours-Seite die Beispielbilder zur Fotoexkursion Carnevale 2023 angeschaut. Unvergesslich für mich die Sartiglia und Pariglia 2020 in Oristano. Die obigen Bilder im Reiseblog lassen den Wunsch entstehen, nächstes Jahr dabei zu sein.
    Für mich sind diejenigen Bilder am reizvollsten, die die Dynamik der Pferde und der Reiter ausdrücken, deshalb sind meine Favoriten die Nr. 1, 15. und 21. Am besten gefällt mir die Nr. 1 wegen des Wechsels von Licht und Schatten. Aber auch das 1. Bild im Text hätte es verdient, in die Galerie aufgenommen zu werden mit dem aufgewirbelten Sand im Gegenlicht.

    1. Michaela Artikel Autor

      Lieber Peter,
      vielen Dank für deine Gedanken zum Bericht über Sa Pariglia. Ich freue mich, dass dir die Fotos die Dynamik der Pferde und Reiter rüberbringen. Du schreibst, dass die Fotos bei dir den Wunsch ausgelöst haben, im nächsten Jahr bei ein oder zwei sardischen Reiter-Corsa dabei zu sein. Das lässt sich organisieren. Komm einfach vorbei. Den Weg kennst du ja. Ich halte dich gerne über die Termine für 2024 auf dem Laufenden.
      LG
      Michaela

  4. Gisela Hawickhorst

    Liebe Michaela,
    spektakulär. Wirklich beeindruckend – Deine Fotos, aber auch die Künste der Reiter. Und so tolle Pferde. Genial.
    Erfreulicherweise sind die Hühner Stofftiere. Das war bestimmt mal anders. Der kleine Junge mit dem Huhn lockert die Serie wunderbar auf.
    Die 14 ist genial. Aber mir gefallen auch die Fotos mit den Masken also 5-8 sehr gut. Aber auch……. Uff, ist das schwer, die besten rauszufinden.
    Ist immer wieder toll, was Du da an Fotomotiven ausgräbst. Macht Spaß, die Texte zu lesen und die Fotos zu schauen.
    Liebe Grüße
    Gisela

    1. Michaela Artikel Autor

      Liebe Gisela,

      vielen Dank für dein Feedback. Wie schön, dass dir der kleine Junge mit dem Huhn auch so gut gefallen hat wie mir. Ich hätte sehr gerne so ein Huhn als Souvenir mit nach Hause genommen. Das war aber leider nicht drin. 🙂
      LG
      Michaela

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