Michaelas Logbuch – Fotoreisen und Fotoprojekte

Trinkgemeinschaften

Diesen Beitrag widme ich Peter, nicht wegen der Alkohol-, sondern wegen der Schmetterlingsstory :-).

Es begann eher zufällig. Ich beobachtete, wie über einem Kaktusdickicht mehrere Schmetterlingsarten um die ersten reifen Früchte herumflogen. Darunter waren auch mehrere Exemplare des Erdbeerbaumfalters (Charaxes jasius), der mit bis zu 85 mm Flügelspannweite als einer der größten Tagfalter Europas gilt.

Ein seltener Moment: ein Erdbeerbaumfalters (Charaxes jasius) sitzt aufgeklappt auf dem Zweig eines Feigenbaumes

In den Vorjahren hatte ich schon beobachtet, dass der Erdbeerbaumfalter gerne an überreifen Früchten, die schon einen etwas vergorenen Geruch ausströmen, trinkt. Ich hatte schon mehrmals zugesehen, wie er seinen Rüssel in aufgeplatzte „Schnapsfeigen“ versenkte. Leider geschah das so hoch oben im Baum, dass mir auf die Entfernung keine schönen Fotos davon gelingen wollten. Damit du dir jetzt nicht überlegen musst, ob ich mir diese Dinge unter Alkoholeinfluss ausgedacht habe, möchte ich an dieser Stelle Heiko Bellmann aus dem Kosmos Schmetterlingsführer zitieren: „Die Falter saugen gerne an überreifen, etwas vergorenen Früchten, etwa an geplatzten, noch am Baum  hängenden Feigen oder herunter gefallenen Früchten.“

Friedliche Trinkgemeinschaft: ein Erdbeerbaumfalter und ein Waldbrettspiel

Dieses Mal – Anfang September im Kaktusdickicht – war es endlich möglich. Ich machte die Kamera auf dem Stativ in respektvollem Abstand von den Stacheln bereit und hatte Glück. Es gab bereits eine Kaktusfrucht, die von Vögeln angestochen worden war und nun die Schmetterlinge anlockte. Der exotisch bunte, große Schmetterling, dazu das leuchtende Orange der Kaktusfrüchte gegen den kräftig blauen Himmel – eine nahezu perfekte Farb- und Motivkonstellation. Neben dem großen Erdbeerbaumfalter sieht das Waldbrettspiel, das immerhin auch noch eine Flügelspannweite von 32-42 mm hat, wie ein Kleinschmetterling aus. Mir hat beim Zuschauen gefallen, wie friedlich sich die beiden Arten ihr Trinkvergnügen teilten.

Eine Grasmücke hat eine Frucht angebohrt, links über ihr klebt etwas Fruchtmus am Kaktus

Bei Wanderungen in der Natur sind Opuntien („Feigenkaktus“, z.B. Opuntia ficus-indica) im Mittelmeerraum allgegenwärtig. Sie können Wuchshöhen bis zu 10 Metern erreichen, verrät Wikipedia. Die Höhe der Kakteen, an denen ich meine Beobachtungen machte, schätze ich auf bis zu 3 Meter. Einige Stunden habe ich mittlerweile vor diesem Kakteen-Gestrüpp  zugebracht. Welch ein Lebensraum! Allein 10 Schmetterlingsarten habe ich auf die Schnelle gezählt. Prachtlibellen vollbrachten immer wieder bewundernswert punktgenaue Landungen zwischen den Stacheln ohne sich die zarten Flügel zu verletzen. Die Früchte boten Nahrung für Tiere aus dem Vogel-, Reptilien- und Insektenreich. Und auch zweibeinige Säugetiere finden sie schmackhaft. Die Grasmücken machten den Anfang, indem sie mit ihrem spitzen Schnabel die reifen Früchte bearbeiteten. Danach kamen Wespen, Schmetterlinge und Eidechsen.

Eine Eidechse steckt die Zunge in eine Kaktusfeige

Die zwei Falter auf dem ersten Foto oben teilten sich friedlich die flüssige Nahrung. Andere Schmetterlinge versuchten recht aggressiv, Mittrinker zu verjagen. Auf dem Bild unten ist ein Großer Waldportier (Hipparchia fagi) zu sehen, der von einem, manchmal auch mehreren Faltern einer kleineren Art attackiert und am Ende von den viel kleineren Angreifern vertrieben wurde. Beim Kampf um die alkoholischen Getränke werden offensichtlich alle Register gezogen.

Angriff auf einen Waldportier

Die Art des Angreifers mit dem spitzen Kopf konnte ich bisher noch nicht bestimmen. Arbeitsname: „Nasenbär“. Vielleicht kannst du bei der Bestimmung helfen? Das letzte Bild in der kleinen Galerie unten zeigt einen kleinen Nasenbären etwas genauer.

Weit oben über mir zieht ein Bussardpaar am Himmel seine Kreise, manchmal huscht ein Marder schnell vorbei, eine scheue Zornnatter zeigt sich kurz, gelegentlich höre ich Wildschweine grunzen und aus der Ferne klingen die Glocken einer Schaf- oder Ziegenherde herüber. Eine alte Bogenbrücke, vollkommen überwachsen, ist erst auf den zweiten Blick auszumachen. Unter der Brücke ein Bach, der sich im weiteren Verlauf schnell wieder im Gesträuch verliert. Einige Meter oberhalb steht eine aufgelassene Feldkirche, davor ein Menhir, dem irgendwer, irgendwann ein kleines weißes Kreuz aufgesetzt hat. Ein abgelegener, friedlicher Winkel irgendwo im Montiferru … .

Hier nun zum Abschluss eine kleine Galerie zum Lebensraum Kaktuswelt. Wegen des hochratsamen Sicherheitsabstandes zu den Stacheln der Kakteen habe ich gerne in Kauf genommen, dass auf allen Fotos etwas mehr als gewünscht drauf war. Sie sind nachträglich etwas (aber nicht stark) beschnitten. Meine Favoriten sind die Nrn. 1 und 4. Und welche gefallen dir am besten?

8 Gedanken zu “Trinkgemeinschaften

  1. Christa Jedelhauser

    Hallo Michaela,
    wie schön die Natur doch ist…! Deine wunderbaren Fotos mit den unterschiedlichen Tieren, die sich an der Kaktusfeige laben, machen Appetit auf solch eine stachelige Frucht. Mir
    gefallen alle Fotos – einfach schön!
    Liebe Grüße
    Christa

    1. Michaela Artikel Autor

      Hallo Christa,
      vielen Dank für dein Feedback. Um die Früchte tatsächlich zu genießen, ist etwas Know-how beim Auspellen erforderlich. Dann schmecken sie recht fein. In Cuglieri gibt es davon sogar Marmelade zu kaufen.
      LG
      Michaela

  2. Carina

    Hallo alle miteinander,

    ich biete für den Nasenbär ein „Zürgelbaumfalter“ – zuweilen auch Zürgelbaum-Schnauzenfalter genannt – an.

    Er ist ein Tagfalter aus der Familie der Edelfalter, Unterfamilie Schnauzenfalter. Die Flügelspannweite beträgt 34 bis 48 Millimeter, auffällig ist der gezackte Außenrand der Flügel. Grundfarbe aller Flügel ist bräunlich und sie sind mit großen orangefarbigen Flecken versehen, auf der Vorderflügeloberseite befinden sich wenige weiße Flecke. Die Vorderflügelunterseite zeigt ein ähnliches Farbmuster wie die Oberseite, jedoch etwas undeutlicher. Die Hinterflügelunterseite ist meist hellbraun oder graubraun marmoriert. Für die Falter typisch sind die sehr langen, behaarten Palpen, die nach vorne gestreckt vom Kopf ausgehen und wie eine Schnauze beziehungsweise zusammen mit den Fühlern wie der Stiel eines Blattes aussehen. In Ruhestellung, mit zusammengeklappten Flügeln ähneln sie so einem verwelkten Blatt. Dabei werden die bunten Vorderflügel hinter den Hinterflügeln versteckt. Durch diese Tarnung sind sie vor Fressfeinden gut geschützt.
    (Quelle: Wikipedia)

    Ansonsten – Michaela, die Bilder sind einfach wieder superschön. Da kann ich mich gar nicht sattsehen dran. Mein Favorit: Alle! Ich kann mich nicht entscheiden.

    Liebe Grüße
    Carina

    1. Michaela Artikel Autor

      Hallo Carina,

      vielen Dank dafür, dass du das „Nasenbär-Rätsel“ gelöst hast. Der Zürgelbaumfalter passt! Dass es bei den Edelfaltern die Unterfamilie der Schnauzenfalter gibt, war mir noch nicht bekannt. Der Name beschreibt die Burschen perfekt.
      LG
      Michaela

  3. Peter Liebthal

    Liebe Michaela,
    trotz heftigen Bemühens ist es mir auch nicht gelungen, den „Nasenbären“ zu bestimmen.
    Die Bilder sind großartig und vermitteln- zusammen mit der Story – die Faszination, die von der Schmetterlingsfotografie ausgeht. Und wenn man dann ein Exemplar abgelichtet hat, das man noch nicht kennt, geht man mit einem Hochgefühl nach Hause.
    Chapeau zu diesen Bildern. Meine Favoriten sind die Nr. 4, 6 und 10. Zur Bestimmung habe ich Nr. 12 herangezogen, aber leider ohne Erfolg.

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