Karneval – Samugheo und Cuglieri
Mit den Sant‘ Antonio Feuern am 16./17. Januar beginnt auf Sardinien die Karnevalszeit. Jeder Ort hat seine eigenen Traditionen, Masken und Figuren. Am 9. Februar stand Samugheo ganz im Zeichen des Karnevals. Samugheo hat rund 3000 Einwohner und liegt auf 370 Metern ü.n.N. rund 30 km östlich von Oristano in der gleichnamigen Provinz. Der Ort ist auch für seine Textilkunst berühmt. Handgewebte Teppiche aus Samugheo sind kostbare Kunstwerke. Zu viert – drei Fotofreund*innen aus Cuglieri und ich – machten wir uns auf den Weg dorthin. Dank Enrico, der sich in Sachen Carnevale in Samugheo schon gut auskannte, fanden wir einen Standort, der zum Fotografieren gut geeignet war. Diesen Platz haben wir dann nicht mehr aufgegeben, denn es wurde voll am Rande der für den Umzug gesperrten Straßen. Laut einem Bericht sollen rund 20.000 Menschen dort gewesen sein. Es erforderte schon einige Verrenkungen, in dieser Enge auch nur das Objektiv zu wechseln.
Zwei Stunden lang zogen die Gruppen an uns vorbei. Der Klang von schweren Glocken hallte durch die Straßen. Den Anfang machten die Kinder aus Samugheo, mit Fellumhängen und gehörnten Masken. Die Gesichter waren mit Ruß geschwärzt, daraus leuchteten aufgeregte Augen hervor. Auch bei den Gruppen aus anderen Orten waren geschwärzte Gesichter sehr präsent. Die Akteure gingen mit der schwarzen Paste aber auch auf die Zuschauer los. In der ersten Reihe hatten am Ende viele, mich eingeschlossen, schwarze Zeichen im Gesicht, Mir wurde erklärt, das wäre eine Art Glückwunsch. So wie bei uns früher der rußige Fingerabdruck des Schornsteinfegers.
Der Ursprung der Karnevalstraditionen liegt in vorchristlicher Zeit. Die Bedeutung der ritualisierten Tänze erschließt sich Außenstehenden nicht immer vollständig. Die Austreibung des Winters und Fruchtbarkeitsriten sind ein wiederkehrende Elemente. Letztere zum Teil in recht offensichtlicher Form. Als ein – in der Größe leicht übertriebener – Holzpenis in einem Bollerwagen am Publikum vorbeigeführt wurde, habe ich den nicht fotografiert. Also falls das jemanden interessiert hätte, sorry, es gibt kein Foto davon in der Galerie unten. Meine Bildideen lagen mehr im Porträtbereich.
In Cuglieri trafen sich am ersten Februar Gruppen aus vielen Orten zu einem Karnevalszug. Organisiert wurde dies von den Freunden Alices (https://www.facebook.com/Gli-Amici-di-Alice-306574699864743/) als Benefizveranstaltung, die dem Andenken an die kleine Alice gewidmet war. Einem Mädchen aus Cuglieri, das vor zwei Jahren an Leukämie gestorben ist. 13 Gruppen zogen unter dem Motto „Musik, Tradition, Nicht-Vergessen“ durch die Gassen. Der Erlös geht an eine Hilfsorganisation. Auch zu diesem Umzug und der anschließenden Musikveranstaltung waren viele Zuschauer gekommen. Doch so beengt wie in Samugheo ging es nicht zu. Mit dem Tele habe ich versucht, Porträts der schwarzen Gesichter unter den Kapuzen und Masken einzufangen. Und natürlich habe ich dabei auch wieder schwarze Spuren im Gesicht abbekommen.
Beide Veranstaltungen gingen bis in den Abend hinein. Gegen Ende habe ich die Kamera eingepackt. Das Fotografieren bewegte sich zum Schluss im lichttechnischen Grenzbereich. Schnelle Verschlusszeiten wären bei den Tänzen toll gewesen. Doch trotz Offenblende und hoher ISO-Zahl habe ich irgendwann aufgrund des schwindenden Tageslichtes fast nur noch Fotos mit Bewegungsunschärfe produziert – und gelöscht. Das Foto unten zeigt die Akteure beim Anzünden eines kleinen Abschluss-Feuers. Es ist mit ISO 12.000 aufgenommen. Nicht zur Nachahmung empfohlen 🙂 .
Fazit: da ich in Norddeutschland ganz ohne Karneval groß geworden bin, kann ich mir die sardischen Karnevalstraditionen zwar mit großen staunenden Augen anschaue, aber ich weiß auch ganz genau, dass mir sehr viel Wissen um die Hintergründe fehlt. Es war trotzdem eindrucksvoll! Zum Abschluss hier eine Galerie mit einer stark reduzierten Auswahl der vielen Fotos, die ich an diesen beiden Tagen gemacht habe. Mir gefallen die Bilder, auf denen den Kindern ihre Begeisterung anzusehen ist am besten. Da kann ich mich gar nicht für ein Lieblingsbild entscheiden. Was meinst du?
- Der Pyramiden-Altar Monte D’Accoddi
- Unsichtbares sichtbar machen – Fotoexperimente am Wasserfall
Hallo Michaela,
unmöglich,hier das beste Foto auszusuchen,
ALLE ,sowohl die Portraits,als auch die Aktionsbilder sind einfach wieder Spitzenklasse.
Viele liebe Grüße aus Griechenland
Heinz
Liebe Michaela,
soo schöne Bilder…..
Danke und liebe Grüße
Christine
Hallo Michaela,
wieder tolle Fotos und dass Du uns teilhaben lässt, die Bräuche Sardiniens kennen lernen zu dürfen – sehr interessant und danke dafür!
Mir gefallen fotografisch vor allem die Portraits, aber alle Bilder sind „Meisterklasse“!
Herzliche Grüße
Christa