Herbstfarben in Zagori
Vor der Abreise von der Insel Santorini hatte ich mich noch mit Mineralwasser für unterwegs eingedeckt. Auf dem Etikett stand Vikos. Bis vor Kurzem war Vikos für mich der Name einer Schlucht irgendwo in Nordgriechenland, über die ich nicht viel mehr wusste, als dass es dort landschaftlich sehr schön sei. Also eines der vielen Da-möchte-ich-irgendwann-mal-hin-Ziele, die man als reisende Fotografin so mit sich herumträgt. Mitte Oktober ergab sich dieses Jahr die Gelegenheit, gemeinsam mit einem Freund in Griechenland auf Fotoentdeckungstour zu gehen. Eines unserer Ziele war die Region Zagori mit der Vikos-Schlucht. Da bei der Georgienreise Ende September unter anderem mittelalterliche Bogenbrücken ein Fotothema gewesen waren, war ich neugierig darauf, neben der Landschaft auch die Brücken in Zagori zu erkunden.
Hier ein paar Eckdaten
Die Vikos-Schlucht ist im Guinness-Buch der Rekorde als tiefste Schlucht der Welt eingetragen. Auf einer Infotafel wird eine Tiefe von 900 m genannt, doch je nach Quelle differieren die Angaben über die maximale Tiefe der Schlucht zwischen 600 m und knapp 1.000 m. Der Fluss Vikos durchfließt die Schlucht und vereinigt sich am nördlichen Ausgang mit anderen Zuflüssen zum Voidomatis. Die Gegend von Zagori liegt in der nordwestgriechischen Region Epirus. Ein Großteil davon steht als Nationalpark Vikos-Aoos und Nationalpark Nordpindos unter Naturschutz. Mit dem Namen Zagorochoria werden die Dörfer in diesem Gebiet zusammengefasst.
Übernachten
Eine Unterkunft, in der man sich sofort heimisch und willkommen fühlt, fanden wir in Marias Guesthouse To Roptro in Doliana bei Kalpaki. Hier hat einfach alles gestimmt. Bildbände im Cafebereich informierten mit wunderbaren Fotos über die Gegend. Obendrein war Maria uns mit vielen Ausflugstipps behilflich. Immer wieder! Website mit stimmigen Bildern: https://www.roptro.gr .
Bogenbrücken
Die folgenden Informationen sind einer Infotafel entlang des Weges entnommen: in Zagori bzw. im weiteren Sinne in Epirus findet man noch heute viele Steinbogenbrücken, die im 18. und 19. Jahrhundert auf den Überresten erheblich älterer Brücken (vermutlich aus präbyzantinischer Zeit) errichtet wurden. Die Baumeister aus Epiros waren in ganz Griechenland und darüber hinaus berühmt. Diejenigen, die sich und ihr Team auf den Bau von Brücken spezialisiert hatten, wurden Kioproulides = Brückenleute genannt. An der Spitze eines Brückenbauer-Teams stand der Protomastoras, der als Architekt für das Design der Brücke zuständig war. Die nächsten in der Team-Hierarchie waren die Stein- und Zimmerhandwerksmeister, ihnen unterstanden die Arbeiter im Team, die die Steine zusammenfügten. Der Bau wurde von beiden Seiten begonnen und die Brücke war vollendet, wenn der letzte zentrale Stein = Schlüsselstein am obersten Punkt eingesetzt werden konnte.
Zwischen den Dörfern Dilofo, Kipoi und Koupouli findet man auf kurzer Distanz allein 7 Bogenbrücken. Darunter eine sehr ästhetische mit drei Bögen (1814) an der sich einige Fotografen tummelten. Eine mit 2 Bögen liegt ein Stück weiter neben einer alten Wassermühle (1748).
Der Bildband und der erste Landschaftseindruck am nächsten Morgen weckte den Wunsch, alles zu sehen, am liebsten gleich am ersten Tag und dann bitte noch zum besten Licht :-). Geht natürlich nicht. Zum Glück hat das mit dem geistigen Reset am ersten Tag dann noch geklappt. Und schwupps tauchte wie zur Belohnung unerwartet das Motiv Traumbrücke mit flüchtigen, farbenprächtigen Reflexen auf dem darunter fließenden Wasser auf.
Meine Lieblingsbrücke, die Pitsioni-Brücke (1830), die sich geheimnisvoll im Flüsschen spiegelte und so die Illusion eines geschlossenen Kreises erzeugte. Dort unten am Wasser fühlte ich mich wie aus der Zeit gefallen.
Schluchten
Oberhalb des Dorfes Monodendri treffen zwei Schluchten aufeinander. Der spektakuläre Aussichtspunkt Oxia an dieser Stelle ist nichts für Menschen mit Höhenangst. Es geht dort senkrecht runter, und zwar t i e f runter.
Aber es gibt einen noch extremeren Aussichtspunkte mit Schluchtblick knapp außerhalb von Monodendri. Ein schmaler Pfad führt hinter dem Kloster Agia Paraskevi am Abgrund entlang – da hatte ich ein wenig Angst und war froh, als wir wieder „festen Grund“ unter den Beinen hatten. Das sieht man dem Beweisfoto leider auch an, oder?
Was Schluchtblicke angeht ist mein Favorit zur abendlichen goldenen Stunde der Aussichtspunkt Beloi, gegenüber von Oxia. Für Nichtfotografen ist dieser Punkt über dem Abgrund der Schlucht oberhalb von Vradeto mit einer halbstündigen Fußwanderung zu erreichen. Fotografierend dauert der Weg etwas länger, das goldene Abendlicht verzaubert die Landschaft so unwiderstehlich, dass man einfach immer wieder für ein Bild stehen bleiben muss.
Keine Schmutzgeier mehr?
Der Bereich Tymfi oder Gkamila Mountain (2497m) ist wegen seiner Bedeutung als Brut- und Lebensraum für viele Greifvögel Teil der europäischen Natura 2000 Netzwerkes (zusammen mit 6 anderen Bereichen in der Vikos-Aoos Region). Nachgewiesen wurden Steinadler, Weißrückenspecht, Steindohle, Halbringschnäpper, Schneefink und bis 2009 auch brütende Schmutzgeier. Eine Infotafel informiert darüber, dass heute in Griechenland von dieser bedrohten Art nur noch <= 10 Brutpaare überlebt haben. Als Ursache werden der illegale Einsatz von Gift-Ködern und allgemeiner Nahrungsmangel genannt. Auf der Infotafel heißt es „The survival of the Egyptian Vulture is among the main conservation challenges of our times and is more urgent than ever!” Große Worte. Ob das alles ist, oder ob es konkrete Schutzprojekte gibt, so wie auf Fuerteventura, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen.
Marias Rat folgend, gingen wir am nächsten Tag etwas weiter nördlich auf Entdeckungstour. Unvergesslich ist der Blick von Papigo auf die Tymfi oder Gkamila Mountains zur Goldenen Stunde am Abend. Diese Farben kennt man sonst nur noch von Bildbänden über den Grand Canyon.
Zagori ist eine Region Griechenlands, in der es noch viele Wanderpfade, Brücken und Dörfer mehr zu entdecken gibt. Maria verabschiedete uns mit den Worten: „beim nächsten Mal müsst ihr euch aber auch die Klöster ansehen“. Ich bin begeistert und denke über die Ausarbeitung einer neuen Fotoreise nach. Was meinst du, würde diese Landschaft dich auch reizen? Hier eine kleine Galerie, die Bilder vergrößern beim Hineinklicken. Meine Favoriten sind das Foto Nr. 4 und die Nr. 12. Und welches Bild gefällt dir am besten?
- Fotoreise nach Georgien – wir treffen uns am Gate 4 in Istanbul!
- Von männlichen und weiblichen Hinkelsteinen
Hallo Michaela,
sehr schöne Bilder mal wieder und eine tolle Landschaft – man sieht den Balkan und dass das nicht sehr weit von Albanien ist 🙂 Mit gefällt das 3. auch sehr gut, keine Spiegelung aber die Brücke sehr schön in die Landschaft modelliert.
LG, Torsten.
Liebe Michaela,
schöne Fotos hast Du mal wieder gemacht. Mein Favorit ist eindeutig Nr. 4. Wunderschön! Bei Nr. 17 stehen mir die Haare zu Berge… *kreisch*…!
LG
Isabel
Da will ich auch hin. Michaela, mach Dich schon mal an die Planung.
Tolle Fotos und grandiose Ausblicke.
Mir gefällt Nr 2 sehr gut. Kommt in unsere Sammlung „Fotografen am Abgrund“.
LG
Helge
Hallo Helge,
vielen Dank für dein Feedback. Das mit der Planung geht klar :-).
Foto Nr. 2 zeigt übrigens die Fotografin an einem „kleineren“ Abgrund. So richtig tief, mit Kitzeln im Magen, wurde es ab Foto Nr. 12.
LG
Michaela
Hallo Michaela,
eine interessante Gegend, die Bilder mit dem Herbstlaub sind sehr stimmungsvoll, meine Favoriten sind ganz klar Nr. 5, 9 und 10.
Liebe Grüße aus dem nebligen Unterfranken Jutta
Hallo Michaela,
das sind wieder einmal beeindruckende Landschaftsaufnahmen. Weitgehend unbekante Landschaften abseits der touristischen Trampelpfade sind für uns Fotografen immer wieder reizvoll. Vielleicht werden die griechischen Landschaften wieder zu einem Thema für mich. Aktuell reizen mich aber mehr Landschaften mit dramatischen Wolkenstimmungen.
Hallo Peter,
vielen Dank für deinen Kommentar.
Dramatische Wolkenstimmungen mag ich auch! Schau doch dafür zur Zeit der Herbst- oder Frühjahrsstürme mal wieder in Worpswede vorbei! ?!
Liebe Grüße
Michaela
Hallo Michaele, 🙂
die Landschaft würde mich auch sehr reizen. 🙂
Ein Bild ist schöner als das andere, Super.
LG
Robert