Industrie-Archäologie in den Minen von Montevecchio

Helge war Ende April eine Woche zu Besuch nach Cuglieri gekommen. Am 1. Mai fuhren wir zu einer Fotoexkursion in das Bergwerksdorf Montevecchio. Das liegt etwas über eine Autostunde südlich von Cuglieri. Montevecchio, früher ein Zentrum der Bergbauindustrie, gehört heute zum Parco Geominerario della Sardegna. Der Ort bildet zugleich den nördlichsten Punkt auf dem 400 km langen Santa Barbara-Wanderweg entlang der alten Minen im Südwesten Sardiniens.
In der Vergangenheit gehörten die Bergwerke von Montevecchio mit ihren reichen Vorkommen an Zink und Blei zu den produktivsten in ganz Europa. Was man heute sieht, geht auf das 19. und 20. Jahrhundert zurück. Über mehr als 100 Jahre wurde hier bis 1991 industriell Blei, Zink und Silber abgebaut. Heute können die Anlagen und das dazugehörige Dorf als industriearchäologische Museumsstätte besichtigt werden. Den Besuchern werden 5 unterschiedliche geführte Themen-Touren angeboten. Ohne Guide kommt man nicht auf das weitläufige Gelände, das wäre zu gefährlich. Alle 5 angebotenen Touren an einem Tag mitzumachen hätte uns ein anspruchsvolles Programm beschert. Wir entschieden uns für 2 Exkursionen.

Schön war, dass uns außer der Frau, die die Führung leitete auch noch ein ehemaliger Bergarbeiter als Ansprechpartner zur Seite stand. Wir besuchten mit ihnen die Abbaustelle Piccalinna mit einigen technischen Gebäuden im neomittelalterlichen Stil. Zu sehen gab es den Eingangsbereich in den Schacht, der bis zu einer Tiefe von 290 Metern ausgebaut wurde, die Antriebsmaschinen für die Schacht-Aufzüge und weitere Maschinen. Die mächtigste war ein großer Sullivan-Kompressor, der Druckluft zum Abwassermanagement und zum Betrieb der pneumatischen Werkzeuge unter Tage produzierte. Ausgestellt waren auch Gesteinsbrocken mit den verschiedenen Erzeinschlüssen, die wir kurz in die Hände nehmen durften, um ein Gefühl für das Gewicht zu bekommen.
Die zweite Exkursion brachte uns zur Grube Sant’Antonio, etwas oberhalb der Miniera di Piccalinna. Von dort hatten wir einen Überblick über einen Großteil der Gebäude, Fördertürme, Förderbänder und Teile der ehemaligen Wasserreservoirs, Erzwaschanlagen (Laveria) und Vorsortieranlagen. Für’s Foto war das intensive Grün des Wassers in den Becken ein Blickfang. Aber was mag da an Rückständen aus der Blei- und Zinkgewinnung schlummern?
Nach den Führungen fiel mir im oberhalb gelegenen Dorf als erstes das restaurierte Direktionsgebäude auf. Sehr groß und repräsentativ ist der 1877 gebaute Palazzo della Direzione. In der Tat ein kleiner Palast. Mir sprang das marmorne Straßenschild an der Palazzo-Hauswand ins Auge. Es informierte uns darüber, dass wir uns auf der Piazza Giovanni Rolandi befanden. Klar, dass ich davon ein Foto machen musste! Es ist Hans-Roland gewidmet.
Resümee: das war ein Besuch, der nachdenklich macht, der einen Einblick in die vielen Facetten der Bergbaugeschichte und auch die Arbeitsbedingungen vermittelte. Ein Tag reicht bei weitem nicht aus, um dort alles zu erfassen. Mein Tipp: am besten ist es, gleich zur ersten Führung da zu sein. Gegen Mittag wurde es voll. Mehr Informationen, auch zu den Öffnungszeiten findest du unter Miniera Montevecchio.
Hier eine kleine Galerie mit Fotos von Helge und von mir aus Montevecchio. Meine Lieblingsbilder sind die Nummern 3 und 7. Und welches sind deine Favoriten?
- In den Bergen des Iglesiente
- Wer war Caterina d’Alessandria?
Hallo Michaela,
gefällt mir sehr gut Deine Sammlung. Mir gefallen besonders die Fotos in der ersten und zweiten Zeile. Das würde mir als Fotolokation auch gefallen – auch wenn man nicht alleine „streunen“ darf.
Alte Industriekultur hat was.
Liebe Grüße
Gisela
Hallo Michaela,
eine sehr interessante Geschichte der sardischen Vergangenheit…! Perfekte Bilder, die einem in die Vergangenheit versetzen. Die Detailfotos erinnern mich an einen Workshop in Dortmund, da haben mich auch solche Details fasziniert und ich habe sie fotografiert. Bild 14 finde ich auch sehr schön…!
Liebe Grüße
Christa
Ich kann Carina nur zustimmen; interessante Einblicke in sardische Geschichte. Ob wohl alle Arbeiterschlafstätten so freundlich ausgeschaut haben? Schade, daß man auf dem Gelände nicht auf eigene Faust auf Detail- und Spurensuche gehen kann. Wenn es auch dieses Jahr nicht klappt, werde ich mir diese Örtlichkeit einmal anschauen. Hoffe im nächsten Jahr nicht so viele Termine zu haben
Gruß aus dem Schwarzwald
Bernhard
Hallo Michaela, hallo Helge,
das ist wieder eine sehr schöne interessante Geschichte bei der man wieder ein Teil Sardiniens
kennenlernt. Irgendwann schaffe ich es auch wieder zu kommen und mir das z.B. auch persönlich
anzusehen.
Es sind alle Bilder sehr interessant und informativ. Das Bild Nr. 18 finde ich sehr sehr schön mit
dem smaragdfarbenen Wasser…
LG
Carina