Michaelas Logbuch – Fotoreisen und Fotoprojekte

Die Windmühlen Fuerteventuras

Sehr klassische Fotomotive Fuerteventuras sind die Windmühlen der Insel. Sie zieren Reiseführer, Tourismusprospekte und Internetseiten. Doch nicht alle sind wirklich fotogen. Manche stehen erbärmlich eingezwängt zwischen Zweckbauten und Stromleitungen. Um die Bildidee Windmühle in ein ansprechendes Foto umzusetzen, muss man auf die Suche nach gut erhaltenen Mühlen gehen, die im Idealfall frei stehen. Mein Ehrgeiz war es, bei meinen Streifzügen durch die Insel auch etwas über die Eigenheiten und die Geschichte der Windmühlen einzufangen und sie als Teil der umgebenden Landschaft zu zeigen. Hier ein paar Ausflugs-Tipps zu Mühlen, die ich aus fotografischer Sicht empfehlen kann:

Zunächst der Klassiker für alle, die schon bei einer der Highlight Tours Fotoreisen nach Fuerteventura im Januar oder Februar dabei waren. Die Windmühlen stehen auf einen Bergrücken am südlichen Ortsende von Villaverde, von Corralejo kommend nach dem Restaurant Mahoh rechts abbiegen.

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Die Molinos von Villaverde mit 4 Flügeln – vergrößert beim Hineinklicken
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Schemaskizze eines Molino, entnommen der Schautafel bei Tefia

Windmühlen wurden am Ende des 18. Jahrhunderts auf Fuerteventura eingeführt. Klar, dass die beständigen und starken Winde die Verbreitung der Mühlen begünstigten. Sie mahlten geröstete Gerste oder Weizen. Das Endprodukt Gofio war lange Zeit das Hauptnahrungsmittel der Bewohner. Auf der Insel unterscheidet man im Spanischen männliche Mühlen, el Molino, und weiblichem Mühlen, la Molina. Die beiden Formen unterscheiden sich in der Bauweise: El Molino ist ein kegelförmiges Gebäude mit 2 oder 3 Stockwerken. Auf dem unteren Stock wurden die Werkzeuge des Müllers aufbewahrt. Auf dem mittleren Stock wurde das Korn vor und nach dem Mahlen gelagert. Auf dem dritten Stock befindet sich das Mahlwerk. Oben ist die Mühle mit einer hölzernen Haube verschlossen. Diese ist drehbar und kann durch ein Steuer bewegt werden, um die Flügel der Mühle zum Wind hin auszurichten. Der Nachteil dieser Konstruktion:  die schweren Getreidesäcke mussten zur Bearbeitung durch die Stockwerke getragen werden.

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Molina von Tefia, 6 Flügel – vergrößert beim Hineinklicken

La Molina, die Mühlenform der nächsten Generation, hat den gesamte Arbeitsbereich nur auf einem Stockwerk und ersparte so das Schleppen der schweren Getreidesäcke zum nächsten Bearbeitungsschritt. Dacht ich´s mir doch – der Fortschritt ist weiblich! Der Unterbau ist nicht kegel- sondern quaderförmig. Am südwestlichen Ortsrand von Lajares stehen sich eine Molina und ein Molino schräg gegenüber. Ebenfalls beide Formen findet man in Tefia. Eine Molina steht mitten im Ort. Leider ist es aufgrund des Umfeldes etwas Tüftelarbeit, diese Molina freizustellen, geht aber. Der Molino von Tefia steht außerhalb. Man fährt durch den Ort in Richtung Süden hindurch, dann auf die Straße nach Los Molinos abbiegen, dann rechts direkt auf die Mühle zu. Nicht weit von Puerto del Rosario steht eine weitere Molina, am Rande von Puerto Lajas. Man sieht sie schon von weitem von der Straße Corralejo – Puerto del Rosario aus.

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Mahlwerk eines Molinos, entnommen der Schautafel in Tefia

Es gibt Mühlen mit 6 Flügeln (Tefia, Tindaya), aber die mit 4 Flügeln sieht man häufiger. Die Windkraft geht auf ein Zahnrad, das wiederum eine Spindel in Bewegung setzt. Die Spindel ist mit dem verschiebbaren Mühlstein durch eine Metall-Achse verbunden. Die Achse bewegt den oberen Mühlstein gegen den unteren – so wurde das Korn zu Gofio gemahlen. Die am häufigsten gemahlenen Getreidearten der Insel waren Weizen und Gerste. Seltener wurden auch Hafer, Roggen, sogar Kichererbsen und Erbsen vermahlen.

Mehr Molinos und Molinas seht ihr in der kleinen Galerie unten. Die Vorschau-Bilder vergrößern beim Hineinklicken. Mir gefällt das letzte Bild am besten 🙂 .  Was meint ihr?

5 Gedanken zu “Die Windmühlen Fuerteventuras

  1. Peter Liebthal

    Hallo Michaela,

    wieder was gelernt, es gibt männliche und weibliche Mühlen. Wie sieht’s mit Deinem Auto aus – ein Renaultlino oder eine Renaultlina?

    Liebe Grüße
    Peter

    1. Michaela Artikel Autor

      Hallo Peter,
      das kleine rote Auto ist als Träger meines mobilen Zuhauses ein treuer Begleiter, erträgt ohne Murren meinen Fahrstil auch auf den staubigsten Schlagloch-Pisten und hat mich noch nie im Stich gelassen. Aber es hat von mir keinen – männlichen oder weiblichen – Namen bekommen. Es ist einfach nach wie vor das Auto.
      LG
      Michaela

  2. Carola

    Hei liebe Michaela,
    wie schön, toll dass man bei deinen reisen nicht nur schönes sehen und fotografieren lernt, sondern auch noch viele andere Sachen, über Fakten über Sachen und was überhaupt Sache ist! Genieße die Insel, hier ist es winterlich, feucht und kalt. Man sieht nur zarte Köpfe der Krokusse rausgucken, die wollen auch noch nicht richtig schlüpfen.
    Grüßlis, Carola

  3. heinz diehl

    Wie schön, hätte so gerne Dein Leben gelebt mit sooo schönen Bildern !!!
    Dies war der spontane Kommentar von Anni , habe dem nichts hinzuzufügen …
    Heinz

  4. Christa Jedelhauser

    Hallo Michaela,
    danke für die interessante Information und die so schönen Bilder! Mir gefällt die „Molina mit Tindaya – 6 Flügel“ sehr gut – schön sind sie alle!
    Die Erinnerungen an den Januar-workshop sind immer noch sehr präsent und wunderbar!
    Liebe Grüße

    Christa

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