Die Masken von Mamoiada
Gestern machte ich mich auf den Weg in die Region der Barbagia in Zentralsardinien. Mein Ziel war das Bergdorf Mamoiada, das auf 644 m oberhalb der Provinzhauptstadt Nuoro liegt. Dort wollte ich mich schon ein wenig auf die Fotoreise zum Karneval auf Sardinien Ende Februar einstimmen. Denn Mamoiada ist wegen seines traditionellen Karnevals bekannt. Dieser beginnt dort bereits am 17. Januar, dem Tag des heiligen Antonio (Sant’Antonio di Abate). Im Dorf werden an diesem Tag Feuer entzündet, um das Ende des Winters zu feiern. Mehr zum Sant‘ Antonio-Feuer findest du in diesem Bericht. Die zum Teil von weit her angereisten Zuschauer warten in den Gassen gespannt auf das Erscheinen der „Mamuthones“ und „Issohadores“. Noch sind sie nicht hervor gekommen, doch immer wieder schellen Glockentöne durch die an diesem Tag für den Autoverkehr gesperrten Winkel des Dorfes. Die Spannung steigt. Plötzlich werden die Glocken lauter, rasselnder. Die großen, dumpfen der Mamuthones und die kleinen, klirrenden der Issohadores.
Die Mamuthones tragen dunkle Masken, darüber ein Kopftuch, einen ebenfalls dunklen, zotteligen Pelzumhang und auf dem Rücken 20 bis 30 kg schwere Glocken. Im Kontrast dazu steht die leuchtend rote Jacke der Issohadores, um die ein Riemen mit Glöckchen gebunden ist. Die Figur trägt dazu eine weiße Hose, schwarze Reitstiefel und ein um die Hüfte gebundenes, blumenbesticktes Tuch. Eine schwarze Mütze ist mit einer Schleife auf dem Kopf festgebunden. Zur Austattung der Issohadores gehört ein Lasso. Sie versuchen, damit einen Zuschauer, bzw. meistens eine Zuschauerin am Straßenrand einzufangen. Die Gefangenen werden aber immer wieder freigelassen :-).
Den ganzen Nachmittag bis in den Abend hinein ziehen sie durch den Ort, gefolgt von einer großen Zuschauermenge. An vielen Stellen brennt ein Feuer, der Umzug hält davor an. Mit der schweren Last ihrer Glocken schreiten die Mamuthones um das Feuer, die Szene mit den dunklen Gestalten hat etwas Unheimliches, Archaisches.
Ich hatte mir vorgenommen Bewegung im Foto einzufangen: die Sprünge der Mamuthones am Feuer und die fliegenden Lassos der Issohadores wollte ich festhalten. Also war die Kamera mit Blende 5.6 und ISO 400-800 auf schnelle Verschlusszeiten voreingestellt. Doch die Herausforderung war am Ende nicht die blitzschnelle Bewegung der Akteure. Mühe hatte ich stattdessen damit, die vielen Zuschauer und ihre Selfiesticks aus meinem Bildausschnitt heraus zu halten. OK, die gehören auch dazu. Aber doch nicht auf jedem Bild, oder? Was meinst du?
Nach einer Stunde wechselte ich darum das 24-105mm Objektiv gegen das längere Tele aus. So sind mir aus einiger Entfernung auch Portraits und Einzelaufnahmen mit ruhigerem, weil unscharfem Hintergrund gelungen. Diese Strategie, zuerst mit einem Allroundobjektiv etwas vom Gesamtgeschehen einzufangen, danach mit dem Tele Detailaufnahmen zu machen, hat sich bewährt. Am meisten Freude hatte ich zum Schluss daran, die Spannung und Begeisterung in den Gesichtern der jüngeren Darsteller einzufangen.
Hier eine kleine Galerie mit meine Mamoiada-Impressionen von diesem 17. Januar 2020. Mein Favorit ist das letzte Bild. Und welches gefällt dir am besten?
- Der große Schwarm – uno stormo di storni
- Der Pyramiden-Altar Monte D’Accoddi
Liebe Michaela,
mir gefällt das Bild Nr.18 (Lasso Wurf) sehr gut, aber auch die Menschen mit den Masken sind eindrucksvoll wiedergegeben.
Ich freue mich schon auf den Carnevale in Sardinien am 22.2 bis 28.2.2020
Liebe Grüße
Robert
Lieber Robert,
vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, das Lasso haben die Issohadores auch nach mir geworfen. Aber ich bin ihnen entkommen :-).
Bis bald!
Liebe Grüße
Michaela
Liebe Michaela,
das letzte Bild gefällt mir auch sehr gut, aber auch die Masken sind eindrucksvoll wiedergegeben. Ganz wichtig finde ich, auf den passenden Hintergrund zu achten (gelegentlich habe ich ein Halteverbotsschild auf meinen Bildern, passt irgendwie nicht so ganz zu einer Brauchtumsveranstaltung) – aber Dir ist auch diese Herausforderung gut gelungen.
Ich freue mich schon auf den Workshop vom 22. bis 28.2.
Liebe Grüße
Peter
Lieber Peter,
vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, ich sehe es genauso, wie du, der Hintergrund ist am Ende bei der Bildsichtung das entscheidende Kriterium. Eine längere Brennweite hilft hierbei, weil damit die Schärfentiefe geringer wird und auch weil der Bildwinkel reduzierter ist. Andererseits bringen die Aufnahmen in der Totalen mehr von der Aktion rüber. Also sind letztendlich sowohl das Tele als auch der „normale“ Brennweitenbereich im Wechsel nützlich.
LG
Michaela
Wie Christa Jedelhauser schreibt, erinnern mich deine gelungenen Fotos an die alpenländischen Fasnachtsbräuche. Auch die Alemannischen Bräuche hier bei uns im Schwarzwald ähneln den Sardischen Figuren sehr. Mir gefällt besonders die Dynamik in Bild #15.
Liebe Grüße aus dem Renchtal
Bernhard
Liebe Michaela,
interessante und schöne Fotos von einem sardischen Brauch – mich erinnert das ein wenig an „den Winter austreiben“ bei uns und in der Schweiz. Aber das wäre ja noch ein wenig früh im Jahr…!
Das letzte Bild gefällt mir auch sehr gut – so viele Gefühle im Gesichtsausdruck – man möchte ihn einfach drücken…!
Liebe Grüße
Christa