Auf den Spuren des Cammino Minerario di Santa Barbara
Beim Stöbern in einer Buchhandlung hier auf Sardinien fiel mir im Februar ein schmales Bändchen mit dem Titel „Il Cammino Minerario di Santa Barbara“ in die Hände. Untertitel sinngemäß „Auf Sardinien zwischen Geschichte und Natur unterwegs“ (percorsiditerre.it, ISBN 978-88 6189-251-4). Die Assoziation zum Jakobsweg nach Santiago de Compostella, die sich beim Lesen des Titels einstellt, ist durchaus gewollt. Auch dazu ist ein Wanderführer im gleichen Verlag erschienen. 🙂
Ein 400 km langer Wanderweg auf den Spuren der Vergangenheit, im Süden Sardiniens, in einer Region, die sowohl wunderschöne Strände als auch wilde Berglandschaften bietet? Das interessierte mich. Besonders die Geschichte der Bergwerke, die heute als industriearchäologische Relikte das verbindende Element des Cammino Minerario sind. Schon beim Lesen des Buches war ich fasziniert von der Vielschichtigkeit der Fotomöglichkeiten, die diese Gegend zu bieten hat. „Das muss ich mir anschauen“, war der nächste Gedanke. „Ob das ein Thema für eine neue Fotoreise werden könnte?“, der zweite.

Zweimal war ich jetzt auf den Spuren des Cammino Minerario unterwegs und bin begeistert. Das Problem ist nicht, dort zu wenig Motive für eine einwöchige Fotoreise zu finden. Das „Problem“ ist vielmehr, aus der Vielfalt der spannenden Möglichkeiten eine stimmige Auswahl zu treffen. Die Küsten-, Klippen- und Dünenlandschaft ist spektakulär. Grotten und begehbare Bergwerksstollen bieten anspruchsvolle Fotomotive im Halbdunkel von einmaligem Reiz. Ein 12ha großer Parco beherbergt steinalte, bizarre Olivenbaumgestalten. Und das ist noch lange nicht alles …

Die verfallenen Bergwerksgebäude und ihre Umgebung machen sehr nachdenklich. Kohle, Zink, Blei und Molybdän wurden hier im 19. und 20. Jahrhundert abgebaut. Das Management war zum Teil in englischen oder französischen Händen, die geförderten Erze und der Reichtum flossen zu einem guten Teil nach Nordeuropa. Geblieben sind die Bergwerksgebäude, Stollen und Türme.

Einige Anlagen hat man zu Museen umgewidmet, andere stehen als Mahnmal der Vergänglichkeit in der Landschaft. Das Foto unten zeigt das – damals herrschaftliche – Gebäude der Minendirektion. Daneben rückt ein Hof und eine grasende Ziegenherde die Gedanken wieder zurück in die Gegenwart und beim Blick aufs Meer fängt man an, vom ultimativen Sonnenuntergangsfoto zu träumen.
Der fiel dann aber an dem Abend wegen heftiger Regenfälle ins Wasser. Ein Grund mehr, noch einmal wieder zu kommen. Denn es wird sicher noch eine weitere Vorexkursion nötig sein, um alles für die geplante neue Fotoreise abzuklären. Die gute Nachricht: ein schönes Übernachtungsquartier mit leckerem Essen ist schon gefunden.
Was ich entlang des Cammino Minerario als Fotoziel sehe, ist eine Mischung aus Landschafts- und Reportagefotografie bei der die Teilnehmer außer spektakulären Fotos am Ende auch sehr viel Wissen um die Vergangenheit dieser Region mit nach Hause nehmen. Also weg von der Urlaubspostkartenidylle und hinein ins wirkliche Leben. Was meinst du, wäre das ein interessanter Ansatz?
Hier eine kleine Galerie mit Fotos der ersten beiden Vorexkursionen. Die Bilder vergrößern beim Hineinklicken. Meine Favoriten sind das Foto Nr. 8 weil es mich an die Ents in Herr der Ringe erinnert und die Nr. 16 mit den zwei Farbtemperaturen. Und welches Foto gefällt dir am besten?
- Es stand im Reiseblog ….
- Auf dem Sentiero Miniere nel Blu
Liebe Michaela
als du während der Fotoreise im Mai davon berichtest hast, klang es schoon sehr interessant. Aber was ich hier sehe übertrifft meine Erwartungen. Klingt nach einer ganz tollen Reise. Vielleicht klappt es ja mit dem Termin im nächsten Jahr. Es würde ich freuen.
Hallo Michaela,
das ist eine sehr interessanter Vorbericht und macht Neugierde auf mehr!
Also…nächstes Jahr steht für mich gedanklich mal wieder Sardinien-Zeit
auf dem Plan.
Mir gefällt die Nr. 07 sehr gut – ein Träum-Mich-Weg-Bild… 😉
Liebe Grüße
Carina
Liebe Carina,
vielen Dank für deinen Kommentar im Reiseblog. Das Bild Nr. 7 mag ich auch sehr. Doch die friedliche Stimmung täuscht ein wenig. Ich habe es bei einem Spaziergang auf der Klippe gegen einen heftigen Orkan aufgenommen. Der Wind war so stark, dass man kaum vorwärts kam. Es war ein wenig kritisch so dicht am Abgrund für länger als ein paar Minuten mit der Kamera zu stehen. Sieht man dem Bild nicht an, oder? Bei Windstille würde ich dort gerne noch einmal in Ruhe fotografieren.
@Steffen: auch dieses Foto ist ohne Stativ entstanden :-), wär bei dem Sturm gar nicht gegangen.
Liebe Grüße
Michaela
Hallo Michaela,
man merkt den Bildern und dem Text Deinen geweckten Entdeckergeist regelrecht an. Ein sehr schöner Überblick über das zu Erwartende.
Super finde ich Nr. 4, erinnert mich an einen Hundekopf.
Interessant ist, dass Du auch ohne Stativ kannst, Nr. 17 😉 und bei Nr. 19 herrjeh, OHNE die schützende Streulichtblende ^^ oje oje 😉
Viele Grüße und danke für die Impressionen
Steffen