Michaelas Logbuch – Fotoreisen und Fotoprojekte

Feuer- und Funkenfotos

Am 16. Januar wird in Cuglieri, wie auch in vielen anderen Orten auf Sardinien, das traditionelle Sant’Antonio Feuer angezĂŒndet. Am Nachmittag des 16.1. wurden Holz und Zweige vor der Chiesa Santa Croce, aufgeschichtet. Der zeltförmige Aufbau war geschĂ€tzte 6 m hoch. Ich versprach mir zunĂ€chst einmal großartige Möglichkeiten, mit dem Fotothema Feuer zu experimentieren. Doch dann kamen die Fragen: wer war dieser heilige Antonio? Mit Heiligen kenne ich mich nicht so gut aus. Und warum brennen in seinem Namen derart aufwendig vorbereitete Feuer? Als das Feuer um 6 Uhr abends angezĂŒndet wurde, waren viele Menschen gekommen. Der Pfarrer sprach einige Worte, es wurde Wein ausgeschenkt und sĂŒĂŸes GebĂ€ck herumgereicht, alles in geselliger AtmosphĂ€re. Ein bisschen so, wie in Deutschland ein Treffen zum GlĂŒhwein am Weihnachtsmarkt. Nur, dass es draußen nicht ganz so kalt ist und der Wein nicht heiß getrunken wird :-).

Die Chiesa Santa Croce, deren Ursprung ins 12. Jahrhundert datiert wird

Wer war Antonio?

Zu Antonio und Tradition der Januarfeuer bekam ich am 16. noch nicht so viel heraus. Also habe ich weiter herumgefragt, Bardo Arens hat aus seinem großen Wissensschatz ĂŒber Heilige einige meiner LĂŒcken gefĂŒllt. Salvatore Spanedda brachte mir Hintergrundtexte, die das Feuermachen in die Traditionen Sardiniens einordneten. Vielen Dank euch beiden!

Hier die bekannten Fakten, zitiert aus dem Buch Symbole 10 – Heilige mit und ohne Schein von Bardo Arens: „Antonius war ein Eremit der im Jahre 251 in Heraklea, Ägypten geboren wurde. 
 Im Jahre 356 verstirbt Antonius. 
 Im Jahre 1059 besucht der französische Edelmann Gaston das Grab des Heiligen Antonius. Er betet inbrĂŒnstig um die Heilung seines Sohnes vom sogenannten Antoniusfeuer – einer tödlichen Erkrankung, die nach dem Verzehr von Mutterkorn entsteht. Gaston bringt die Reliquien des Heiligen nach St.-Didier-de-la-Motte. Es entsteht der Antoniter-Orden, der sich der Krankenpflege widmet, insbesondere um jene Menschen, die am Antoniusfeuer litten.“

Die UrsprĂŒnge der Feuer

Die Bezeichnung Antoniusfeuer fĂŒr eine Mutterkornvergiftung ist wohl eher eine zufĂ€llige Wortgleichheit und erklĂ€rt nicht, warum am 16. Januar ein großes Feuer angezĂŒndet wird. Am 19. ging es dann ĂŒbrigens gleich weiter mit einem Feuer zu Ehren des heiligen Sebastiano. Nach anderen Quellen (s.u.) liegen die Wurzeln dieser Feuer in alten heidnischen BrĂ€uchen. Ähnlich wie bei den Osterfeuern in Deutschland, den Mittsommernachtsfeuern in Schweden oder der Walpurgisnacht. Je lĂ€nger man recherchiert, desto mehr vorchristliche Feuerriten finden sich quer durch Europa – spannend. Vielleicht kennt noch jemand eine Feuertradition? Dann schreib mir doch bitte etwas darĂŒber.

Die hiesige Legende um obigen Sant’Antonio Abate, besagt, dass sich dieser mit seinem Wanderstab in die Hölle hinunter begab. Dort hat er heimlich einen Funken des Höllenfeuers geklaut. Diesen Funken hat er in seinem Stecken, einem hohlen Holunderstab, verborgen und den Menschen so das Feuer auf die kalte Erde gebracht. Eine christliche Adaption der Prometheus-Sage. Die SantÂŽAntonio und San Sebastiano Feuer auf Sardinien begrĂŒĂŸen das neue Jahr, sind Ausdruck der Freude darĂŒber, dass die Tage wieder lĂ€nger werden und der Winter bald zu Ende geht. Gleichzeitig lĂ€uten sie den Beginn des Carnevale ein (Quellen www.informati-sardegna.it und www.focusardegna.com).

Zufallsfiguren, aus Flammen geformt

So hoch! (c) Franco Spanedda

Feuer im heimischen Ofen oder Kamin zu fotografieren ist ein wenig problematisch, wegen der WĂ€rmeentwicklung so nah vor der Linse. Im Freien lĂ€sst sich etwas mehr Abstand halten, damit geht das schon mal besser. Aber die Flammen bewegen sich sehr schnell. Ähnlich wie beim Fotografieren von Wellen habe ich daher beim Sant‘Antonio Feuer am 16.1. auf schnelle Verschlusszeiten gesetzt. Das heißt um 6 Uhr abends wenn es schon dunkel ist, dass die ISO Zahl hoch und die Blende offen sein sollte. Das Stativ ist dann nicht unbedingt erforderlich. Die „schnellen“ Aufnahmen sind freihand mit ISO 6400 und 3200 bei Blende 4.0 oder 5.6 entstanden. Damit kam ich auf Verschlusszeiten um 1/500. Als das Feuer so richtig lodernd brannte und selbst als Lichtquelle genĂŒgend Helligkeit spendete, ging es dann auch mit ISO 800. Die Bildidee: Zufallsfiguren, aus Flammen geformt.

Feuerfotografieren geht auch ohne Stativ

Beim San Sebastiano Feuer am 19.1. habe ich dann das Gegenteil ausprobiert: die Kamera sollte mit Verschlusszeiten von 1/10 bis 1/45 Sekunden die Lichtspuren der Funken einfangen. Ein Hauch von Feuerwerk oder Vulkanausbruch-AtmosphĂ€re! Diese Bilder sind mit Stativ entstanden, bei ISO-Einstellungen um 1600. Steht man ungĂŒnstig, beeintrĂ€chtigt leider der unvermeidliche Rauch die BildqualitĂ€t sehr stark, da dieser durch die langen Verschlusszeiten noch verdichtet wird. Mein Tipp: fĂŒr Funkenbilder auf die windabgewandte Seite gehen und dann auf eine schöne Böe warten, die dem Funkenflug Dynamik verleiht.

Hier eine kleine Galerie mit den Feuer-Fotos vom 16. und 19. Januar. Alle Aufnahmen sind mit dem 24-105 mm Objektiv an der Canon 5D entstanden. Die Bilder vergrĂ¶ĂŸern beim Hineinklicken. Nr. 2 und 4 gefallen mir am besten. Und was ist dein Favorit?

5 Gedanken zu “Feuer- und Funkenfotos

  1. Margareta Bierter-Huggler

    Liebe Michaela

    ich habe mir Deine „Feuer-Werke“ mehrmals angesehen, bevor ich mich entscheiden konnte. Der Feuer-Gnom und der UHU gefallen mir am Besten. Aber vielleicht komme ich in den nĂ€chsten Tagen noch zu einer anderen Ansicht. Deine Hinweise auf die Einstellungen habe ich mir gemerkt, vor allem diejenigen die keinen Gebrauch des Stativs nötig machen. Du kennst ja meine „Vorlieben“ dafĂŒr.
    Ich habe noch von wegen Feuerrad gegoogelt, da es mich interessiert hat. Hier die URL-Adresse zum Artikel: http://www.osterraederlauf.de/tradition.html

    Mit lieben GrĂŒssen
    Margareta

  2. Gisela

    Das Feuerrad ist eine Tradition, die nicht nur zu Ostern, sondern auch zu anderen besonderen Tagen in einigen Regionen Deutschlands gepflegt wird. Dort wird ein mannshohes Rad mit Stroh gestopft, bei Dunkelheit entzĂŒndet und einen HĂŒgel runter gerollt. Mit diesem Brauch soll der Winter vertrieben und die Fruchtbarkeit der Felder erbeten werden.
    Erster schriftlicher Beleg ĂŒber einen Feuerbrauch dieser Art stammt aus der Chronik des Klosters Lorsch von 21. MĂ€rz 1090.
    Habe ich aus Wikipedia entnommen, wo natĂŒrlich noch viel mehr steht. Übrigens auch mit Fotos. https://de.wikipedia.org/wiki/Feuerrad

  3. Jan Kluever

    Hallo
    wir hier oben in Finnland feiern den Höchststand der Sonne jedes Jahr zwischen dem 21. und 26. Juni mit einem Feuer: Johannusfeuer.
    Trotz des christlichen Namens kann man diese Tradition weit zurueckverfolgen in die vorchristliche Zeit.
    Der Johannustag ist eines der wichtigsten Feste in Finnland und man feiert mit der Familie und Freunden ein ganzes Wochenende. Dieses geschieht – wenn immer möglich – auf den Mökkis, den finnischen Sommerhuetten, auf die sich die Finnen am Wochenende begeben. Die Feuer werden traditionell – wenn möglich – an den StrĂ€nden entzuendet. Nunmehr wird dieses immer mehr eingeschrĂ€nkt durch Verbote aufgrund der damit einhergehenden Waldbrandgefahr, zumal mit zunehmender Dauer der Feiern auch der Alkoholkonsum zu- und die Aufmerksamkeit fuer das Feier abnimmt.

  4. Gisela

    Hallo in den SĂŒden,
    die Idee mit den Gesichtern ist klasse. GefÀllt mir sehr gut.
    Obwohl ich „Feuer und Flamme“ gerne mag beim Fotografieren, kenne ich außer dem Feuerrad, dass zu Ostern die Berge runterlĂ€uft, keine Feuerrituale.
    WĂŒnsche Dir weiterhin eine tolle Zeit – und noch mehr feurige Fotos
    Gisela

    1. Michaela Artikel Autor

      Hallo Gisela,
      vielen Dank fĂŒr deinen Kommentar. Das Feuerrad, das zu Ostern die Berge runter lĂ€uft kenne ich nicht. Bin aber neugierig. Magst du verraten, was es damit auf sich hat?
      LG
      Michaela

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